Klarinetten konzert Mi., 19 Juni 19:00

Pfarrreise nach Zagreb Mo., 7 Okt. 09:00

Das große Entgegenkommen

Die mächtigen Stiegenhäuser barocker Schlösser und Paläste dienten nicht einfach einer Überwindung von Höhenunterschieden, sondern vielmehr der rituellen Darstellung von Höhenunterschieden. Bei offiziellen Anlässen war am Fuß der Treppe ein kundiger Lakai plaziert. Durch vereinbarte Signale gab er nach oben bekannt, welchen gesellschaftlichen Rang der neu ankommende Gast jeweils einnahm. Der Gastgeber und Schlossherr stand oben und kam dem Gast dessen Rang entsprechend mehr oder weniger weit entgegen. Waren es sehr hoch gestellte Gäste, begab sich der Gastgeber zu ihrem Empfang bis zum Fuß der Treppe.

Heute sind die barocken Stiegenhäuser Überreste einer vergangenen Zeit, und die Auf- und Absteigenden werden von Schaulust oder rastloser Geschäftigkeit in Bewegung gehalten. Es haben sich längst andere Orte gefunden, wo deutlich gemacht werden kann, wer oben und wer unten steht, wer es zu etwas gebracht hat und wer sich hinten anstellen muss. „Bei euch soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein.“ (Mt 20, 26)

Diese Aussage Jesu kehrt die gewohnten Verhältnisse nicht um. Die Unterschiede bleiben erhalten. Es gibt Erste und Letzte, Starke und Schwache, hoch Angesehene und Übersehene, Leute oben und Leute unten. Doch nun setzt sich der Hausherr nicht erst dann in Bewegung und steigt die Treppe hinab, wenn ihm ein besonders hochrangiger Gast gemeldet wird. Er benützt auch den gegebenen Höhenunterschied nicht zur Darstellung seiner eigenen Bedeutung. Nun kommt der Hausherr auch dem entgegen, der kein Ansehen genießt, der möglicherweise sogar verachtet, abgetan, übersehen wird. Das große Entgegenkommen Gottes erweist sich in der Suche nach dem Verlorenen. Was ist in unserer Gesellschaft verloren gegangen? Die Liebe zum Fremden – die Ehrfurcht vor der Person des Anderen – die Wertschätzung von Lebewesen und Dingen um ihrer selbst willen – der Sinn für Stille und für Schönheit … Es ließe sich noch einiges nennen.

„Nur noch ein Gott kann uns retten“ hat Martin Heidegger in einem nach seinem Tod veröffentlichten Interview gesagt (Der Spiegel, 31. 5. 1976) Das mag schon sein. Aus christlicher Sicht kann gesagt werden, er habe es ja schon getan. Er ist uns ja bereits entgegengekommen, bis an das Ende der Stiege. Was ist meine Antwort? Ein möglicher Beginn wäre, aus der Straßenbahn auszusteigen, wenn einer Mutter mit Kinderwagen beim Einsteigen zu helfen ist. Oder so zu sprechen, dass mein Reden nicht die Selbstdarstellung meiner Gescheitheit ist, sondern dem anderen gegenüber ein Entgegenkommen, keine Herablassung, darstellt. Pfingsten ist keine Herablassung, sondern das Fest eines großen Entgegenkommens.

Ein schönes Pfingstfest! Gustav Schörghofer SJ

Vor genau vier Jahren, am 24. Mai 2015 schrieb Papst Franziskus seine Sorge für das gemeinsame Haus in der Enzyklika LAUDATO SI‘ nieder, die Sorge über die Zukunft unserer Erde. Laudato si‘ – nach dem Sonnengesang des heiligen Franz von Assisi. „In diesem schönen Lobgesang erinnerte er uns daran, dass unser gemeinsames Haus wie eine Schwester ist, mit der wir das Leben teilen, und wie eine schöne Mutter, die uns in ihre Arme schließt.“(LS 1) (Alle Zitate aus Laudato si‘).
„Welche Art von Welt wollen wir denen überlassen, die nach uns kommen, den Kindern, die gerade auf-wachsen?“(LS 160). Papst Franziskus appelliert an „jeden Menschen, der auf diesem Planeten wohnt“(LS 3) und wünscht sich angesichts der weltweiten Zerstörungen eine „neue universale Solidarität“(LS 14): Nicht die Technik wird unsere Probleme lösen, sondern eine Veränderung des Menschen (LS 9).
Papst Franziskus vertraut auf die Kraft der Zivilgesellschaft und den Tatwillen von Menschen, die „vereint in ein und derselben Sorge“(LS 7-9) sich für das Gute entscheiden.
Wir setzen daher im Rahmen der Langen Nacht der Kirchen einen initiativen Schritt der Hoffnung, der in eine enkeltaugliche Zukunft weist. „Wir wissen, dass sich die Dinge ändern können“(LS 13), und wir besitzen noch die Fähigkeit zusammenzuarbeiten. Darauf bauen wir auf.
Die Aktion setzt einen Beginn. Für eine Bewegung, die sich in der Folge von Pfarre zu Pfarre ausbreitet und Menschen im gemeinsamen Tun für eine enkeltaugliche Zukunft vereint.
Alle sind herzlich eingeladen, stundenweise oder länger
an unserer Aktion zum Mitmachen teilzunehmen!
Beginn ab 17 Uhr zu jeder vollen Stunde in der Kirche. (Programm s. Lange-Nacht-Handzettel)
Die Workshops: Kreativarbeit zu den Themen Ernährung, Mobilität, Wohnen, Konsum.
Die Aufgabe: Wie mache ich meinen Lebensstil schrittweise zukunfts- und enkeltauglich?
Wir arbeiten in kleinen Gruppen an mehreren Tischen, begleitet von ‚Hebammen des Wandels‘.
Nach einer Einführung werden im Gespräch untereinander persönliche Beiträge zum Wandel vorgeschlagen und auf einem Gruppen-Poster präsentiert.
Um 22 Uhr Nachtgebet für unsere Erde, dankbares Feiern zum Ausklang der Langen Nacht mit Texten, Gebeten und viel Musik zum Mitsingen mit Clarissa und Bernhard Pohorec.
Wir widmen dieses Anliegen und diesen Abend besonders unserer Freundin Christine Schwarz, die am 24. Mai dieses Jahres ihren 60. Geburtstag feiern wollte. Sie ist am 2.11.2018 gestorben.
„Mögen unsere Kämpfe und unsere Sorge um diesen Planeten
uns nicht die Freude und die Hoffnung nehmen.“ (LS 244)

Für das Lange-Nacht-Team
Gertrud Baumgartner und Gerhard Frank

Der Raum der Liebe

Ich habe eine lebhafte Phantasie. Besonders kreativ ist sie im Erfinden von Katastrophen. Alle meine Vorhaben und Unternehmungen werden von Katastrophenahnungen begleitet. Ohne die Vorstellung von Katastrophen mache ich gar nichts. Und was ich mache, das geschieht alles trotzdem. Ich lasse mich von den vorgestellten Katastrophen nicht davon abhalten. Die vorgestellten Katastrophen treten meistens nicht ein. Und die wirklichen Katastrophen habe ich mir nicht vorgestellt. Die wirklichen Katastrophen waren sogar meiner Phantasie unzugänglich.

Meine Katastrophenahnungen haben mich dazu geführt, das Gelingen von Vorhaben und Unternehmungen als Geschenk zu erkennen. Es könnte ja alles auch ganz anders kommen. Wer viel mit Menschen zu tun hat und auf die Hilfe von anderen angewiesen ist, wird bald entdecken, dass alles gemeinsame Tun im Wohlwollen der anderen gründet. Dieses Wohlwollen lässt sich weder erzwingen noch durch Belohnungen erkaufen. Es ist freies Geschenk. Das freie Geschenk des Wohlwollens schafft den Raum der Liebe. Der Raum der Liebe schenkt dem Leben Freiheit zur Entfaltung.

Ein Raum der Liebe entsteht dort, wo das Wohlwollen in der Zuwendung zum anderen Menschen und zur Welt im Allgemeinen konkrete Gestalt annimmt. Konkrete Gestalt nimmt das Wohlwollen dort an, wo jemand für die anderen das tut, was ihm oder ihr wichtig ist, was sie können, gelernt haben, wovon sie begeistert sind, wofür sie brennen. Mit „nett und freundlich sein“ fängt das an und geht weit über die Grenzen der eigenen Welt hinaus und immer neu auf Fremdes ein. Die Liebe ist immer auf Eroberungszug. Anders kann sie nicht sein. Daher ist der Raum der Liebe ein atmender, ein sich expandierender Raum.

Der Raum der Liebe ist von Katastrophen umlagert. Es gibt ihn trotz aller Katastrophen, er wächst wider die Logik der Katastrophen, er nimmt Gestalt und Größe an, obwohl alles gegen dieses Wachstum spricht. Die Phantasie erschafft viele Vorstellungen von Katastrophen. Doch die wirklichen Katastrophen sind anders als die vorgestellten. Wirkliche Katastrophen unserer Zeit sind die Bequemlichkeit und ihr Zwillingsbruder, das atemlose Streben nach dem eigenen Vorteil. Sie erwürgen jedes Wohlwollen. Dabei war es Wohlwollen, das Jesus aus dem Grab erstehen ließ. Die Bequemlichkeit hätte ihn im Grab gehalten, das Streben nach dem eigenen Vorteil gar nicht in den Tod gehen lassen. Der Raum der Liebe ist trotz dieser Katastrophen geschaffen worden und wächst durch uns trotz aller Katastrophen. Ich sehe die Pfarre als einen Raum der Liebe.

Gesegnete Ostern! Gustav Schörghofer SJ

Trocken Brot

Nach langen Jahren habe ich kürzlich wieder jenen wunderbaren Film gesehen, in dem Orgelmusik von Johann Sebastian Bach dann erklingt, wenn das Reden verstummt, Stille herrscht, da keine Antworten mehr zu geben sind, die in Worte gefasst werden könnten. Ermanno Olmi zeigt in dem 1987 fertiggestellten „L´albero degli zoccoli“ das Leben armer bergamaskischer Bauern am Beginn des 20. Jahrhunderts. Vier oder fünf Familien leben auf einem Bauernhof. Sie haben einen Gutteil der Ernte dem Grundbesitzer abzuliefern. Ihr Besitz ist so gering, dass er auf einem Pferdewagen Platz findet. Kinder und Erwachsene arbeiten hart. Es reicht immer nur zum nackten Überleben. Und doch zeigt der Film eine Welt, die ganz nah am Wunder lebt, hautnah an einem großen Geheimnis. Die Menschen sind fromm, Gebete begleiten ihr Leben. Doch das ist es nicht allein. Die Nähe zum Wunderbaren kommt in alltäglichen Ereignissen zur Erscheinung, in Gesten, in kleinen Worten, in unscheinbaren Handlungen. Sie kommt in der großen Stille des Vergangenen zur Erscheinung, die diesen Film regelrecht tränkt und durch die Musik hörbar wird.

Wie kommen wir heute in die Nähe des Wunders? Wie kommen wir in die Nähe der Dinge, wo ihre Ursprünglichkeit offenbar wird, das ganz und gar nicht Selbstverständliche ihrer Gegenwart? Wie kommen wir dahin, dass uns die Dinge wieder berühren, dass wir an den Rand eines Geheimnisses geraten, staunend hautnah zum Wunder?

Wir sind übersättigt, vollgestopft mit Eindrücken, vollgestopft mit Bedürfnissen und dauernd bedrängt von all dem, was diese Bedürfnisse befriedigen soll. Um uns herum lagern sich immer mehr Dinge ab, nicht mehr Gebrauchtes, nicht mehr Interessantes, nicht mehr Verwendbares. Wir verbrauchen Welt und Menschen. Die Erinnerung an Vergangenes gleicht einer Müllhalde, einem Berg von Abfall.

Die Nähe zum Wunder muss ich wollen. Ich muss lernen, dass das Wunder nicht in Zukunft zu entdecken ist, sondern in all dem, was ich als Verbrauchtes hinter mir gelassen habe. Mit dem Blick auf Vergangenes kann ich entdecken, dass mich das Wunder schon immer begleitet hat, das ich ihm immer schon nahe war. Ich kaue das trockene Brot der verworfenen Dinge und entdecke den Geschmack des Geheimnisses. Ich kaue das trockene Brot der schlichten Gesten, der hilflos scheinenden Zuwendung, der kleinen Worte. Ich kaue das trockene Brot all der schlechten Erfahrungen, der mir zugemuteten Gemeinheit, der erlittenen Ungerechtigkeit. Und ich entdecke, dass mich all das weit mehr in die Nähe des Wunders geführt hat als die Annehmlichkeiten eines mit Begehrenswertem vollgestopften Lebens. Das Wunder ist nahe. Um es hautnah zu verspüren, muss ich mich allerdings meiner Habseligkeit entledigen.
Eine schöne Fastenzeit! Gustav Schörghofer SJ

Ökumenischer Weltgebetstag der Frauen 2019 – Slowenien
Am Freitag, den 1. März 2019 findet um 19 Uhr der - weltweit gefeierte - Weltgebetstag
der Frauen statt, für das Dekanat 13 bei uns in der Konzilgedächtniskirche. Frauen
aus Slowenien haben den Gottesdienst unter dem Thema „Kommt, alles ist bereit!“
(Lk 14,15-24) vorbereitet.
Wir sind eingeladen, unser südliches Nachbarland Slowenien besser kennenzulernen.
Allzu oft dient es leider nur als Durchzugsland auf dem Weg nach Kroatien, dabei hat
das kleine Land zwischen den Alpen und der Adria sehr viel zu bieten. Vor allem beeindruckt
es durch seine vielfältige Naturlandschaft, seine Pflanzen - und Tierwelt, malerischen
Städtchen und nicht zu vergessen die langjährige gemeinsame Geschichte mit
Österreich. Flüsse wie die Sava und die Soča prägen die Landschaft, der Triglav
(2.864 m) in den Julischen Alpen als höchster Berg Sloweniens ist ein Wanderparadies.
Bekannt sind die Salzgärten bei Piran, die Tropfsteinhöhlen von Postonja (Adelsberger
Grotte) und Škocjan. Im Osten des Landes, bereits Teil der Pannonischen Tiefebene,
wächst Wein, und es entspringen Mineral -und Thermalquellen wie in Rogaška Slatina.
Nicht zu vergessen die Hauptstadt Ljubljana mit den architektonisch sehenswerten Bauten
von Josef Plečnik.
Die Liturgie des Weltgebetstages wendet sich den Menschen der Randgruppen der
slowenischen Gesellschaft zu, unter anderem den Roma. Schätzungen zufolge leben
derzeit rund 10.000 Roma in Slowenien, sie sind statistisch nicht erfasst. Laut einer
Umfrage haben 80 Prozent von ihnen keinen Pflichtschulabschluss. Viele der Kinder
wachsen vorwiegend in ihrer Muttersprache Romanes auf und lernen erst in der Schule
Slowenisch, was den Schuleinstieg erschwert. Aufgrund der schlechten ökonomischen
Lage tragen die Kinder schon früh zum Familieneinkommen bei. Der Verein
„Kljuc“ (slowenisch: Schlüssel) unterstützt Überlebende von Frauenhandel und Zwangsprostitution
beim Start in ein gewaltfreies, unabhängiges Leben. Gleichzeitig klärt die
Organisation an Schulen und bei öffentlichen Veranstaltungen über Frauen und Menschenhandel
auf und leistet Präventionsarbeit bei besonders stark gefährdete Gruppen.
Im Roma-Dorf Pušča organisieren sich die Frauen für mehr Anerkennung, Gerechtigkeit
und ein selbstbestimmtes Leben.
Das von den slowenischen Frauen gewählte Gleichnis aus dem Lukasevangelium
lädt alle zum Gastmahl ein. Die Freunde haben keine Zeit, da ruft der Gastgeber die
Armen und die Kranken, die Blinden und die Lahmen, die Ausgestoßenen und Benachteiligten,
und lädt sie zum Fest ein. Jenen, die am Rande unserer Gesellschaft leben, bietet
das Gleichnis Hoffnung. Denn: Es ist noch Platz! Es gibt Raum zum Leben und alle
können satt werden. „Komm doch! Du bist gewollt und wirst gebraucht.“ Gott ist entgegenkommend,
im gemeinsamen Mahl ist das Reich Gottes gegenwärtig, Menschen werden
geheilt, seelisch gestärkt, und eine neue Gemeinschaft entsteht.
Sie sind herzlich eingeladen mitzufeiern, Männer und Frauen, verbunden mit der ganzen
Welt.
Angela Blaschek
Ökumenebeauftragte