Gründung der ECE Provinz Di., 27 Apr. 18:00

Geburtstagsandacht Do., 6 Mai 15:00

Maiandacht Fr., 7 Mai 18:30

Maiandacht Fr., 14 Mai 18:30

Maiandacht Fr., 21 Mai 18:30

Maiandacht Fr., 28 Mai 18:30

Wo stehen wir?

Das Christentum ist eine Religion körperlicher Vereinigung. Möglicherweise ist deswegen bis in unsere Gegenwart alles Sexuelle mit Verdacht behaftet, da es den Kern des Christlichen berührt. Um Missverständnisse und Irrtümer zu vermeiden, muss es mit besonderer Sorgfalt behandelt werden. Dazu ist in den Schriften von Pierre Teilhard de Chardin und im „Mann ohne Eigenschaften“ von Robert Musil einiges zu lesen. Auch die Bibel ist voll von Hinweisen. Wie könnte es anders sein. Ein schönes Beispiel ist in den Abschiedsreden von Jesus bei Johannes zu finden: das Gleichnis vom Weinstock und den Reben (Joh 15, 1-6). Hier ist von einer physischen Einheit des Weinstocks mit den Reben die Rede. Nur in Verbindung mit dem Weinstock können die Reben Frucht bringen. Das Wasser wird aus der Tiefe der Erde nach oben geholt und strömt in die Reben. Im Austausch mit der Umgebung nimmt das Leben des Weinstocks Gestalt an, wächst er in seine Gestalt hinein. Diese Gestalt bringt aus sich heraus die Frucht. Die Tätigkeit des Winzers besteht darin, das Gewächs zu veredeln, sein Wachstum zu ermöglichen und die Frucht zur Vollkommenheit zu bringen. Im Gleichnis ist Jesus der Weinstock, der Vater der Winzer, die Menschen die Reben. Der ganze Vorgang ist nur möglich, wenn eine körperliche Einigung von Jesus und Menschen besteht und wenn in dieser Vereinigung ein Prozess zunehmender Vervollkommnung geschieht.

Das alles hat erstaunliche Konsequenzen. Denn es bedeutet, dass Christentum nicht ohne physische Begegnung und Nähe, ja Vereinigung gelebt werden kann. Das betrifft den Umgang mit Dingen und allen Lebewesen. Mit welchen Dingen befasse ich mich? Welche Dinge habe ich um mich versammelt? Was esse ich? Wie nahe lasse ich Lebewesen an mich heran? Wie nahe lasse ich Menschen an mich heran? Es ist eine Täuschung zu meinen, ich könnte mich isolieren, mich bewahren, indem ich mich distanziere. Die Grenzen meines Körpers und seiner Umwelt sind fließend. Was bedeutet hier nun Veredelung, Vervollkommnung? Ich muss darauf achten, was ich an mich heranlasse und was ich in mich eindringen lasse. Die Rebe wird vom Weinstock mit Nährstoffen versorgt. Die Sonne und die Luft lassen sie gedeihen. Doch es gibt auch Gifte. Es gibt Schädlinge. Was ist mit denen? Der kräftige Weinstock wird sich mit seinen natürlichen Freunden, anderen Lebewesen, gegen all das behaupten.

Am Weinstock bleiben heißt auf jeden Fall, das Risiko physischer Nähe und Vereinigung zu leben. Physische Einigung kann auch darin bestehen, gemeinsam Musik zu machen und zu hören, gemeinsam ein Bild anzuschauen, gemeinsam Theater zu machen und im Theater zu sein, gemeinsam zu essen und zu feiern. Auch in der Eucharistiefeier geschieht physische Vereinigung, im gemeinsamen Hören, Handeln und Beten, im gemeinsamen Essen und Trinken. Auferstehung geschieht als physische Vereinigung. Wo stehen wir, wenn all das in Fragen gestellt werden kann?

Gesegnete Ostern! Gustav Schörghofer SJ

Tiefe Freude

Eben habe ich ein Video angeschaut, das den Künstler John Baldessari vorstellt („THIS NOT THAT“ The artist John Baldessari, a Jan Schmidt-Garre film). Wenn Sie jetzt nicht wissen, wer John Baldessari ist, halb so schlimm. Mich hat etwas beeindruckt, das ich manchmal bei Menschen entdecke, die ihre Arbeit mit Hingabe machen. Es ist eine große Ruhe und Selbstverständlichkeit in der Art und Weise, wie Baldessari sich benimmt und äußert. Ich könnte auch Demut sagen, wenn es nicht ein bisserl zu pathetisch wäre. Aber auf jeden Fall etwas ganz Einfaches und, das teilt sich eher unausgesprochen mit, eine tiefe Anteilnahme am Leben anderer und eine tiefe Freude. Ja, eine tiefe Freude.

Und über die Freude wollte ich ein wenig schreiben. Denn sie ist in unserer gegenwärtigen Situation in arger Bedrängnis. Sicherlich wird auch jetzt gelacht und freuen sich Beschenkte über die erfahrene Zuwendung. Doch die tiefe Freude, die unabhängig von äußeren Umständen erhalten bleibt, die also nicht von erfreulichen Erlebnissen wachgerufen wird, sondern alles Begegnende in einem eigenen Licht betrachten lehrt, diese tiefe Freude hat es heute nicht leicht. Dabei tut sie uns gerade jetzt bitter not. Denn wie sollen wir aus der Bedrückung herausfinden, wenn es nicht ein Licht von innen her gibt, das uns den Weg weist.

Wie können wir diese tiefe Freude entdecken? Denn mir ist klar, dass sie in jedem und jeder da ist, gewissermaßen schlummert, und nicht zu erzeugen, sondern zu entdecken, zu wecken ist. Ich habe einen ganz einfachen Weg gefunden, um diese Entdeckung zu machen. Ich muss, was ich denke, rede und tue mit Hingabe machen. Mit Hingabe – das sagt sich leicht. Denn Hingabe ist eine Form des Vertrauens, wer mit Hingabe etwas tut, vertraut sich einem anderen an, liefert sich gewissermaßen aus. Und das ist eine heikle Sache. Gerade jetzt, wo so viele sehr darauf bedacht sind, sich zu schützen, auf Nummer sicher zu gehen. Vielleicht ist es aber möglich, ein Milieu zu kultivieren, das Hingabe hervorlockt. Ein Milieu also, in dem Vertrauen und Hingabe unterstützt werden. In einem solchen Milieu wird die Erfahrung gemacht, dass ein hingebungsvoller Schritt ins Ungewisse von einem großen Wohlwollen, einer dauernden Liebe begleitet wird. Ich kann den Boden unter den Füßen verlieren, weil das Wasser mich trägt. Ich kann mich hingebungsvoll auf Neues einlassen, weil ich in einem tiefen Vertrauen geborgen bin.

Die tiefe Freude kommt aus der Hingabe. Wir können ein Milieu kultivieren, in dem es möglich ist, diese Hingabe zu üben. Wir können einander wahrnehmen, einander stützen, einander helfen, einander zuhören und auch berühren. Wir können einander beistehen auf vielfältige Weise. So entsteht ein Milieu, in dem Hingabe möglich ist und gelebt wird. Und so werden wir eine tiefe Freude entdecken, die uns immer mehr erfüllt. Und wir werden diese Freude auch in anderen Menschen entdecken.

Gustav Schörghofer SJ


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Die Lehre der Brache

Der im April des vergangenen Jahres verstorbene Lois Weinberger war ein wunderbarer Künstler. An seinem Werk hat mich vor allem eines angezogen und immer neu erstaunt, wie er nämlich den Blick auf verachtete Bereiche unserer Umgebung zu lenken wusste und gerade dort Wunder und Schönheit entdecken lehrte. Da waren etwa die Brachen, Schutthalden und Schottergelände, wo etwas wuchs, das keinen Eingang fand in die gepflegten Gärten, das von diesen sorgfältig gehüteten Bereichen erlesener Schönheit ausgeschlossen blieb. Lois Weinberger aber konnte in den Ruderalpflanzen Wunder entdecken, sie als Zeugen einer unerhörten Schönheit wahrnehmen lehren. Ja, sein Werk ist für mich eine Lehre, dass eben dort, wo nichts zu geschehen scheint, dass gerade dort etwas zu entdecken ist, dass gerade dort Entscheidendes geschieht.

In gewisser Hinsicht war unsere Pfarre in den langen Wochen des Lockdowns eine Brache. Sie schien ein stilles schotteriges Gelände, keine Messen, keine Gottesdienste, keine Gruppen, keine Versammlungen, nichts. Es herrschte Stille. Ich war oft in der Kirche. Ich habe gehofft und gebetet, dass sich etwas zeigt. Doch was sollte sich zeigen? Was sollte auf einer verlassenen Schutthalde entstehen?

Es ist etwas entstanden. Es ist etwas geschehen. Es hat sich etwas gezeigt. Ich habe meinen Augen nicht getraut. Vielleicht war es gerade der aufgezwungene Stillstand selber, der den Blick für das Wunder eines Lebens geschärft hat, das sich vor mir und um mich herum wuchernd entfaltet. Selbst wenn keine Messen gefeiert werden, keine Gottesdienste stattfinden, keine Gruppen sich versammeln können: die Pfarre lebt, sie strahlt, sie wuchert in den schönsten Formen. Wärmestube, soziale Dienste, Obdach für Obdachlose, stilles Gebet, Anbetung, Sorge füreinander in Gesprächen, Briefe und Botschaften aller Art, brennende Kerzen und kurze Begegnungen. Vielleicht ist der beste Beitrag, den ein Priester zum Leben einer Pfarre leisten kann, manchmal gar keine Leistung, sondern ein Innehalten, ein Stillestehen, ein gesammeltes Achten auf das, was ohne sein Zutun vor seinen staunenden Augen entsteht.

Vielleicht täte es uns allen gut, nicht ständig Leistungen voneinander einzufordern, sondern einmal innezuhalten, still zu sein. Der Blick auf eine Brache kann lehren, Leben mit staunenden Augen neu zu entdecken. Und dankbar zu sein für das, was dort wächst, gedeiht und blüht, ohne mein Zutun, ohne mein Bemühen. Wunderbar ist, was der Geist Gottes bewirkt. Und ich bin all den Menschen unsagbar dankbar, die sich von diesem Geist bewegen lassen.

Tausend Dank! Gustav Schörghofer SJ

Wie leben wir Pfarrgemeinde?

Ein Verbot öffentlicher Messen im Anschluss an staatliche Maßnahmen zur Eindämmung einer Pandemie hat es meines Wissens in der Geschichte der Kirche noch nie gegeben. Gegenwärtig erlaubt sind nur Feiern von nicht mehr als zehn Personen in abgeschlossenen Räumen. In den Pfarren wird unterschiedlich auf diese Situation reagiert. Ich habe mich dazu entschlossen, unter den gegebenen Verhältnissen gänzlich auf die Feier der Messe zu verzichten. Ich will das im Folgenden kurz begründen.
In Artikel 41 und 42 der Konstitution über die heilige Liturgie des 2. Vatikanischen Konzils ist von der Förderung des liturgischen Lebens in Bistum und Pfarrei die Rede. Bezogen auf die Feier des Bischofs in der Kathedralkirche heißt es, „dass die Kirche auf eine vorzügliche Weise dann sichtbar wird, wenn das ganze heilige Gottesvolk voll und tätig an denselben liturgischen Feiern, besonders an derselben Eucharistiefeier teilnimmt …“ (SC 41) „Da der Bischof nicht immer und überall in eigener Person den Vorsitz über das gesamte Volk seiner Kirche führen kann, so muss er diese notwendig in Einzelgemeinden aufgliedern. Unter ihnen ragen die Pfarreien hervor, die räumlich verfasst sind unter einem Seelsorger, der den Bischof vertritt; … Es ist darauf hinzuarbeiten, dass der Sinn für die Pfarrgemeinschaft vor allem in der gemeinsamen Feier der Sonntagsmesse wachse.“ (SC 42)
Das bedeutet, dass Kirche dann vorzüglich sichtbar wird, wenn (intentional) alle Mitglieder der Pfarrgemeinde voll und tätig an der Feier einer Sonntagsmesse teilnehmen. Die öffentliche Feier der Sonntagsmesse ist also in herausragender Weise jene Gestalt, in der sich die Pfarrgemeinde darstellt und erfährt. Nur sie erlaubt die volle und tätige Teilnahme (intentional) aller Mitglieder der Pfarrgemeinde. Eben diese Form der Teilnahme entspricht auch dem in der erneuerten Liturgie gepflegten Verständnis von Eucharistiefeier. Wenn keine öffentliche Messfeier möglich ist, kann selbstverständlich auch im kleinen Kreis Eucharistie gefeiert werden, von wenigen gewissermaßen stellvertretend für viele. Das wird auch vielfach gemacht. Doch das ist kein Ersatz für eine öffentliche Feier der Sonntagsmesse. Ich habe mich entschlossen, einen radikalen Weg einzuschlagen und auf die Feier der Messe an Sonntagen und auch an Wochentagen zu verzichten, solange keine öffentlichen Feiern möglich sind. Diese Radikalität ist für mich und sicherlich auch für nicht wenige andere schmerzhaft. Ich halte mich aber verpflichtet, diese Haltung einzunehmen und nicht hinter ein bereits erreichtes hohes Verständnis von der Bedeutung der Eucharistiefeier als Darstellung der Gemeinde zurückzugehen.
Wir dürfen nicht vergessen, dass, wenn schon die Sonntagsmesse als die vorzügliche und herausragende Form der Darstellung von Kirche gilt, es doch auch viele andere Formen gibt, in denen sich die Gemeinde, also die Kirche am Ort, zeigen kann. Da sind die caritativen Tätigkeiten, bei uns besonders die Wärmestube, die sozialen Dienste, die Hilfen für Menschen, die als Flüchtlinge zu uns gekommen sind, der Flohmarkt und vieles mehr. Da sind die Tätigkeiten der Kinder und Jugendlichen, besonders die Sternsingeraktion und vieles, was in den ununterbrochenen Kontakten geschieht. Da ist das Engagement zum Schutz und zur Pflege der uns anvertrauten Schöpfung. Da ist die von der Pfarrkanzlei gepflegte Aufmerksamkeit füreinander. Da sind die vielen oft verborgenen Hilfeleistungen. Da ist vor allem auch das Gebet, in Zukunft auch eine stille Anbetung vor dem Allerheiligsten an jedem Freitag. Und da ist auch die sorgfältige Gestaltung und Pflege des Raumes der Konzilsgedächtniskirche, der Tag und Nacht zugänglich bleibt.
Mir ist klar, dass die von mir eingenommene Haltung nicht von allen geteilt wird. Man kann auch anderer Meinung sein, gewiss. Doch ich weiß mich zu jener Radikalität verpflichtet. Es gibt andere Möglichkeiten, mit dem Verbot öffentlicher Messen umzugehen, es gibt Ersatz für gemeinsames Erleben gerade durch die Möglichkeiten virtueller Kommunikation. Wir leben in einer Gesellschaft, wo für vieles Ersatz geboten wird. Doch vielleicht müssen wir wahrnehmen lernen, dass manches nicht ersetzbar ist. Wenn es, aus welchen Gründen auch immer, nicht gegeben oder nicht durchführbar ist, bringt vielleicht ein Verzicht mehr als das Ausweichen in Ersatzhandlungen. Der Sinn für das Gewicht und den tiefen Wert dessen, worauf verzichtet wird, kann feiner werden. Und vielleicht wird uns ein vertiefter Sinn für die geheimnisvolle Mitte unserer Pfarrgemeinde gerade dadurch geschenkt, dass wir vorübergehend auf die „vorzügliche Manifestation der Kirche“ (SC 41) verzichten.
Gustav Schörghofer SJ

Liebe Pfarrgemeinde!

Aufgrund des verlängerten Lockdowns gibt es weiterhin keine Gottesdienste und Veranstaltungen in der Pfarre.
Die Wärmestube findet jeden Freitag von 10:00 bis 16:30 Uhr statt.
Über Veränderungen informieren wir Sie laufend auf der Homepage und in den Schaukästen.
Das nächste Mitteilungsblatt erscheint am 28. Jänner 2021.