Wortgottes-dienst mit Bibellesen Do., 9 Dez. 18:30

Wärmestube Fr., 10 Dez. 10:00

Rorate Di., 14 Dez. 06:00

Rorate Do., 16 Dez. 06:00

Wortgottes-dienst mit Bibellesen Do., 16 Dez. 18:30

Wärmestube Fr., 17 Dez. 10:00

Frauengebet Fr., 17 Dez. 10:30

Blockflöten-quartett Sa., 18 Dez. 19:30

Rorate Di., 21 Dez. 06:00

Rorate Do., 23 Dez. 06:00

Rorate Fr., 24 Dez. 06:00

Kindermette Fr., 24 Dez. 16:00

Christmette Fr., 24 Dez. 23:00

Hochfest der Geburt des Herrn Sa., 25 Dez. 10:00

Jahresschlussmesse Fr., 31 Dez. 18:30

Hl. Messe Sa., 8 Jan. 08:30

Radikal Mensch werden

Radikalität ist verdächtig. Radikale seien eine Gefährdung für die Gesellschaft. Sie seien rücksichtslos in der Verfolgung ihrer Ziele. Wer an Radikale denkt, der sieht in Gedanken fliegende Steine und vermummte Gestalten.

Mir geht ein Satz von Reinhold Schneider nicht aus dem Kopf: „Unsere wesentliche Armut ist die an Radikalität, an Menschen, die chemisch reine Elemente sind.“ (Winter in Wien, 138) Reinhold Schneider war alles andere als ein gewaltbereiter Radikalinski. Er hat in seinen 1958 verfassten Notizen sehr hellsichtig Dinge gesehen, die auch heute noch von großer Bedeutung sind.

Um welche Radikalität könnte es sich handeln. Als Christ könnte ich auf die Bergpredigt verweisen, oder auf die im Matthäusevangelium an die Bergpredigt anschließenden Weisungen Jesu. Ich möchte aber auf etwas anderes hinweisen, das meiner Meinung nach leicht übersehen wird. Beim Christentum handelt es sich ja nicht einfach um eine Lehre, eine Botschaft, sondern um eine Fleisch und Blut gewordene Gestalt. „Das Wort ist Fleisch geworden“ heißt es am Beginn des Johannesevangeliums. Das heißt, die wesentliche Voraussetzung für die Wirksamkeit der gesamten Botschaft ist die Bereitschaft, ja der entschiedene Wille, einzugehen in die irdische Gestalt eines Leibes. Und Leib meint nicht bloß den eigenen Körper, sondern den Körper einer Gemeinschaft, eines Volkes, ja der gesamten Menschheit. Leib meint darüber hinaus unsere Erde, den Himmelskörper. Die wesentliche Voraussetzung für das Wirksamwerden der Botschaft Jesu ist also die leidenschaftliche Hingabe an diese irdische Welt im Bemühen um das Wohl der gesamten Welt. Selbstverständlich kann das nur im begrenzten eigenen Umfeld gelebt werden. Aber mir muss klar sein, dass mein eigener Leib in einer dauernden und engen Beziehung steht zu allen anderen Lebewesen dieser Welt, ja zu allem Unbelebten in gleicher Weise.

Wenn ich mein Christentum radikal leben will, muss ich es in meinem Leib leben. Und es muss mir klar sein, dass mein Leib in Kommunikation lebt mit dem Leib der Menschen um mich herum, mit dem Leib eines Volkes, ja mit dem Leib der gesamten Erde. Wann war das besser zu erfahren als gerade in den vergangenen zwei Jahren. Wenn ich meinen Glauben an die Menschwerdung Gottes radikal leben will, kann ich nicht ausweichen in eine geistige Welt des rein Spirituellen. Wenn ich meinen Glauben radikal leben will, kann ich mich auch nicht dem Wagnis des Vertrauens in meine Mitmenschen entziehen. Ich werde darauf vertrauen, dass ihr Tun von einem guten Geist gelenkt wird. Selbstverständlich gibt es auch ein Handeln, das von einem bösen Geist geleitet wird. Um beides zu unterscheiden, gibt es Regeln. Eine ist: An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Achten wir also auf die Früchte.

Ein gesegnetes Fest der Menschwerdung! Gustav Schörghofer SJ

Die Königsdisziplin

„Gschamster Diener“ (soll wohl heißen: gehorsamster Diener) – wann haben Sie das zuletzt gehört. Ich kann mich nicht erinnern. Vielleicht war es in einem Film, aus dem Mund von Hans Moser vielleicht. Doch heute sagt das niemand mehr. Dienen und Gehorsam sind ein bisserl aus der Mode geraten. Das hat vielleicht mit den Erfahrungen des letzten Jahrhunderts zu tun: „Ich habe nur meine Pflicht getan“, „Befehl ist Befehl“ usw. Heute ist selbständiges Denken angesagt. Jeder ist sein eigener Herr, jede ihre eigene Dame. Allerdings: Woher weiß ich, was ich zu tun habe? Das war früher leichter, da ist es einfach angeschafft worden. Der Herr hat angeordnet, der Diener hat gehorcht. Aber heute?

Das Dienen ist keine einfache Disziplin, es ist eine hohe Kunst. Keineswegs kann es nur darauf eingeschränkt werden, empfangene Befehle auszuführen. Die hohe Kunst des Dienens besteht darin, aus einer Einsicht in größere Zusammenhänge wahrzunehmen, was im Moment zum Gelingen des Zusammenlebens, zum Wohl anvertrauter Menschen, zum Besten einer Umgebung, die weit über die Menschen hinausreicht, zu tun ist. Das erfordert Aufmerksamkeit, Fachkenntnisse, Wachheit, die Bereitschaft zum Einsatz der besten eigenen Kräfte. Gehorsam bedeutet in diesem Zusammenhang nicht das unhinterfragte Ausführen von Anweisungen, sondern Achtsamkeit für das Wohl anderer. Das fängt beim Offenhalten von Türen, Überlassen von Sitzplätzen an und findet kein Ende. Denn wer sich auf diese Dynamik einlässt, wird entdecken, dass diese Übung der Achtsamkeit immer weiterführt. In Zeiten totalitärer und diktatorischen politischer Systeme haben nicht wenige Menschen diese Übung mit ihrem Leben bezahlt. „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ haben jene gesagt, die diesen Weg als Glaubende gegangen sind.

Was soll das heißen: „Gott gehorchen“? Gott gibt keine Befehle, er schafft nichts an. Freilich gibt es die Gebote, aber wie sie zu erfüllen sind, was sie in einer gegebenen Situation fordern, bleibt offen. Ich selber muss eine Entscheidung treffen. Gott pfuscht nicht in meine Freiheit hinein. Ganz im Gegenteil schenkt er mir Freiheit, setzt mich ein in die Souveränität meiner einmaligen Person. Ich bin also mein eigener Herr, meine eigene Dame. Es gibt nur ein Gebot: „Liebt einander so, wie ich euch geliebt habe“. Darin sind Gottesliebe und Nächstenliebe zusammengefasst. Und wer Jesus entdeckt, wird in ihm den Diener entdecken. „Der Menschensohn ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen …“ heißt es bei Markus (10, 45) und bei Johannes wird durch die Fußwaschung angedeutet, wie sich Jesus den Jüngern gegenüber verhält.

Es gibt einen Weg zu Gott, der nicht nach oben, sondern nach unten führt. Es ist der Weg Jesu Christi. Auf diesem Weg ist die Achtsamkeit für alles, was lebt und existiert, zu lernen. Auf ihm ist zu lernen, was ich mit meinen persönlichen Fähigkeiten zum Wohl dieser Welt beitragen kann. Es ist der Weg des Dienens, der Königsdisziplin menschlichen Verhaltens.

Gustav Schörghofer SJ

Aus gegebenem Anlass

Sie sind an Alzheimer erkrankt. Oder sterben plötzlich an einem Herzinfarkt. Sie sagen mir, eben erst die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs erhalten zu haben. Bei einem Kind im Mutterleib wird Down-Syndrom festgestellt, bei einem erwachsenen Mann Darmkrebs, bei seiner Frau ein großes bösartiges Geschwür an einer der Nieren. Immer wieder begegnen mir Menschen, die an schrecklichen Krankheiten zu leiden haben oder andere begleiten und pflegen, die unheilbar erkrankt sind, nicht nur alte, sondern auch jüngere. Immer wieder soll ich etwas sagen. Aber was ist zu sagen? Gibt es da etwas zu sagen? Wo ist in all dem ein Sinn? Haben diese Krankheiten, haben diese Tode einen Sinn?

Wenn ich Krankheit und Tod allein, nur für sich nehme, kann ich keinen Sinn entdecken. Plötzlich bist Du tot. Plötzlich überfällt Dich die Krankheit, zwingt Dich nieder, macht aus Dir ein hilfloses Bündel. Aber Krankheit und Tod sind keine isolierbaren Gegebenheiten. Immer ist es ein Mann, eine Frau, ein Kind, die krank sind, die sterben. Und der Mann, die Frau, das Kind, sie sind nicht isoliert, allein auf sich gestellt. Sie leben in Beziehungen, sind für andere wichtig. Die Frage für mich ist nicht, welchen Sinn das Unglück hat, sondern ob ich den anderen im Unglück die Treue halte. Lass ich sie sitzen, verdrücke ich mich? Oder bleibe ich bei ihnen, kümmere ich mich um sie?

Toby ist ein Kind in der Erzählung „Mijito“ von Lucia Berlin. Toby ist entstellt und zittert, er kann nicht reden und wird durch ein Loch im Bauch ernährt. „Natürlich kann wegen Toby eine Ehe zerbrechen oder eine Familie, aber wenn nicht, dann scheint der gegenteilige Effekt einzutreten. Ein solches Kind fördert die tiefsten Gefühle zutage, gute und schlechte, und eine Stärke, eine Würde, die ein Mann und eine Frau sonst nie in sich oder dem anderen entdecken würden.“ (Lucia Berlin, Was ich sonst noch verpasst habe, 157) Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Lucia Berlin recht hat. Ein Kind wie Toby kann bei denen, die es aufnehmen, eine tiefe und immer tiefere Liebe wachrufen. Und darauf kommt es doch an, dass wir lernen zu lieben und immer tiefer zu lieben. Allerdings können Menschen auch an einem Kind wie Toby oder durch Überforderung in der Pflege von Angehörigen zugrunde gehen, erschöpft nicht mehr weiterwissen. Wie können wir einander helfen, die Beziehungen zu jenen Menschen, die auf unsere Hilfe angewiesen sind, so zu leben, dass sie nicht in die Sackgasse der Erschöpfung führen?

Mich fasziniert am christlichen Glauben die Zuwendung Gottes zu einer Menschheit, die dem Verderben von Krankheit, Elend und Tod ausgeliefert ist. Warum macht er das? Aus Liebe. Aus Liebe und immer größerer Liebe kann ich mich anderen zuwenden. Ich brauche aber die Hilfe anderer, dass diese Wendung zu den Notleidenden nicht in den eigenen Zusammenbruch führt. Der Sinn ist ja, in der Liebe zu wachsen. Und damit das geschieht, sind wir aufeinander angewiesen.

Gustav Schörghofer SJ

Eine Übung für das kommende Jahr

Zwei Worte sind mir in diesem Sommer besonders nahe gegangen: Stille und Hingabe. Das hat sich einfach so ergeben in den ruhigen Tagen der Ferien. Ich habe mich immer wieder gefragt, wie es nun nach den eineinhalb Jahren der Pandemie weitergehen wird. Die Krankheit ist nicht hinter uns, und schon werden Corona-Denkmäler in Auftrag gegeben. Aber was hilft uns, einen Weg in die Zukunft einzuschlagen und frei zu werden für das, was die vergangenen Monate uns möglicherweise doch gezeigt haben?

Stille war in diesen Monaten sicher eine Erfahrung, die viele geteilt haben, gemeinsam mit der Erfahrung notwendiger Distanz. Stille entsteht dort, wo Distanz genommen wird, wo ein Abstand eingehalten wird, wo das Andrängen des Lärms unserer Welt einmal abgewehrt werden kann. Oder wo ich diesem ständigen Andrängen nicht abwehrend begegne, sondern all dem Aufdringlichen einfach ausweiche, es an mir vorüberziehen lassen. Stille ist etwas, das ich äußerlich vorfinden kann, in der Natur, in von Menschen gestalteten Räumen. Stille kann ich aber auch in mir selber entdecken. Ich kann mich unter die Ebene des ständig aufwühlend einströmenden Gewirrs von Informationen und Ansprüchen sinken lassen, als würde ich abtauchen in eine ruhige Tiefe und die Zonen des bewegten Wassers über mir lassen. Dort, in dieser Stille, komme ich zu mir, dort nehme ich etwas wahr, das in mir ist, zu mir spricht, sich mir mittteilt. In diesen ruhigen Zonen wird das erkannt, was als „Berufung“ bezeichnet wird, keine aufgenötigte Beschäftigung, kein vom Zwang der Notwendigkeit diktiertes Tun, kein bloßes Reagieren auf anprallende Impulse. Es gibt da noch etwas anderes, eine Stimme tief in mir, ein Gefühl für die Richtigkeit dessen, was zu tun ist. Das kommt aus der Stille.

Hingabe kann auf vielerlei Weise geübt werden, in der Musik, im Gespräch, im Schreiben, im gekonnten und verantwortungsvollen Tun, ja auch im Schweigen und Hören. Immer bedeutet Hingabe, dass ich aus mir herausgehe, dass ich mitteile von dem, was ich habe und bin. Die Hingabe hat daher eine enge Beziehung zur Stille. Sie ist die Antwort auf das, was ich in der Stille wahrnehme.

Die beiden Worte Stille und Hingabe sind mir deswegen so wichtig geworden, weil sie mich hinweisen auf etwas, das uns die Pandemie möglicherweise gelehrt hat oder uns lehren könnte: Distanz ist wichtig, um einen eigenen Freiraum zu bewahren, in dem Stille herrscht, in dem ich zu mir selber komme. Beim Einhalten von Distanz werden wir aber nicht stehen bleiben. Als von einem inneren Ruf getragene Hingabe wird die Distanz in der Wendung zum Nächsten immer wieder überwunden werden.

Wäre das nicht eine schöne Übung für das kommende Jahr? Gustav Schörghofer SJ

Nähe lernen

Niemand wollte mir die Hand geben. Mit den Umarmungen war es völlig vorbei. Auf dem Gehsteig Entgegenkommende sind plötzlich hinter parkenden Autos verschwunden und haben einen Bogen um mich gemacht. Beim Essen durfte niemand neben mir sitzen und in der Straßenbahn haben die Mitfahrenden Abstand von mir gehalten. Mir wurde verboten, mit mehr als fünf anderen Menschen die Messe zu feiern. Mir wurde verboten, Museen und Konzerte zu besuchen. Ich habe auch nicht mehr zum Heurigen dürfen. Und schließlich wurde mir geboten, mein Gesicht hinter einer Maske zu verbergen. Aber nicht nur mir ist es so ergangen, sondern allen anderen ebenso. Kein Wunder, dass viele den Aufenthalt unter anderen Menschen und die Nähe zu ihnen gar nicht mehr gesucht haben. Wenn die Dinge so stehen, ist es besser, sich gänzlich zurückzuziehen. Wir haben die Nähe verlernt und müssen sie nun neu lernen.

Das Christentum ist eine Religion der Nähe. Die Grunddynamik des Christentums ist nicht Vergeistigung, Aufstieg nach oben, sondern Verleiblichung, Fleischwerdung. Wir feiern die Inkarnation Gottes, seinen Abstieg zu uns Menschen und nicht nur zu den Menschen, sondern zu allem in der Welt, zu Belebtem und Unbelebtem. Lange ist vergessen worden, dass Erlösung nicht nur Befreiung des Menschen allein bedeuten kann, sondern dass damit die Befreiung der gesamten Welt gemeint ist. Die gesamte Schöpfung soll zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes gelangen. Das verlangt von mir, Anteil zu nehmen am Leben, an der Existenz des Anderen, der Menschen, der Tiere, der Pflanzen, der Steine und aller Elemente. Die europäische Kultur ist lange von Distanzierung gekennzeichnet gewesen. Europäer haben sich von Nicht-Europäern distanziert, Christen von Nicht-Christen, Katholiken von Protestanten, die Angehörigen der einen Nation von denen der anderen usw. Ein Höhepunkt der Distanzierung ist mit der systematischen Ausbeutung der gesamten Welt, wie sie in der Unterwerfung aller Lebensbereiche unter das Diktat von Konsum und Gewinnsteigerung stattfindet, erreicht worden. Schon lange vor Corona haben wir die Nähe verlernt.

Es kommt ja nicht auf das Händeschütteln an. Ich möchte vielmehr den Anderen neu wahrnehmen. Ich möchte ihm als Anderem begegnen, einem anderen Menschen, einem Tier, einer Pflanze, den Dingen. Begegnen bedeutet hier immer, leibhaftig begegnen. Denn auch die Techniken der virtuellen Welt sind Techniken der Distanzierung. Ich möchte mich also von dieser mächtigen Dynamik Gottes ergreifen lassen, einer Dynamik der Nähe, die hinführt zum leibhaftig anwesenden Gegenüber. Ich möchte die Nähe lernen, jetzt, in diesem Sommer.


Ich wünsche Ihnen einen schönen, gesegneten Sommer! Gustav Schörghofer SJ