Wärmestube Fr., 3 Feb. 10:00

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Wärmestube Fr., 17 März 10:00

Wärmestube Fr., 24 März 10:00

Wärmestube Fr., 31 März 10:00

Lass dir helfen


Vieles gibt es zu bedenken, wenn vom Helfen die Rede ist. Kann geholfen werden? Soll geholfen werden? Wie soll oder kann geholfen werden? Meistens geht es um praktische Fragen. Wer sich selbst nicht zu helfen weiß, ist auf die Hilfe anderer angewiesen.

Es lohnt sich, die Frage nach der Hilfe nicht einfach bloß im Horizont eigener oder fremder Bedürfnisse zu stellen, sondern darauf zu achten, dass wir in einem weiten Feld gegenseitiger Hilfe leben. Anders wäre Leben gar nicht möglich. Nicht nach dem Wie und Wo und Wann und Ob der Hilfe zu fragen, sondern wahrzunehmen, dass es Hilfe gibt, dass Hilfe gelebt wird, dass mein und unser aller Leben eingetaucht ist in einen Strom des Entgegenkommens, das öffnet eine völlig neue Dimension des Lebens. Von Anfang meines Lebens an habe ich Hilfe erfahren. Jede und jeder könnte viel davon erzählen, wie sehr anderes und andere geholfen haben und immer noch helfen. In praktischen Dingen ist das leicht erfahrbar. Die Hilfe geht aber weit darüber hinaus. Kunst ist Hilfe, wie der Bildhauer Karl Prantl einmal gesagt hat. Musik, Dichtung, Literatur, Kunst im allgemeinen, all das ist Hilfe. Sie ist keine Hilfe zur praktischen Lebensbewältigung, aber sie hilft, in diesem Leben etwas wahrzunehmen, das Leben erst möglich macht: Wir werden getragen von einem großen Entgegenkommen. Dieses Entgegenkommen kann in den Werken der Kunst erfahren werden. Diese Erfahrung ist mit der Erfahrung einer tiefen Freude verbunden, die das Erleben von Kunstwerken vermitteln kann.

Auch der Glauben ist Hilfe. Nicht im banalen Sinn eines billigen Trostes, sondern im tiefen Sinn der Erfahrung von Geborgenheit im großen Entgegenkommen Gottes. Dieses Entgegenkommen wird in der Bibel immer wieder beschrieben, ja mehr noch, es wird erlebbar gemacht. Eine Sensibilität für dieses Entgegenkommen kann durch das Wort der Bibel eingeübt werden. Möglicherweise haben frühere Zeiten Gottes Entgegenkommen spektakulärer erfahren, strahlender, offenkundiger. Heute herrscht weitgehend der Eindruck vor, Gott würde schweigen. Wer aber sensibel geworden ist für die Sprache Gottes, erfährt sein Entgegenkommen auch heute. Ein Blick auf die Gestalt Jesu tut völlig neue Zugänge zur Erfahrung der Gegenwart Gottes auf. Wir müssen die Sprache der kleinen Dinge, der unscheinbaren Gesten, des unmerklichen Heldentums eines alltäglichen Dienstes lernen. Nur so kann der Glauben heute bestehen. Und dann entdecken wir staunend, dass der Glauben weit mehr ist als frommes Beiwerk. Er ist Hilfe zum Leben.

Also: Lassen Sie sich helfen. Gustav Schörghofer SJ

Was ich von den Amseln gelernt habe

Salzburg ist meine Heimatstadt. Einwände gegen das katholische Salzburg gibt es viele. Gerade in ihrer Schönheit hat die Stadt Abgründe und kann zerstörend wirken. Doch stellt Salzburg mit seiner nahen Umgebung von Ebenen und hohen Bergen etwas dar, das in dieser Form einzigartig ist. Ich habe dort erfahren, dass es möglich ist, eine Welt aus dem Glauben heraus zu gestalten, eine Welt, die Geschlossenheit in sich besitzt, eine klare Gestalt, und zugleich offen ist und ausstrahlt. Freilich ist diese aus dem Glauben gestaltete Welt ein Werk der Vergangenheit, das in der Gegenwart nicht eingeholt wird. Ich habe mich immer nach einer Vergegenwärtigung dieser Welt gesehnt und sie nie gefunden.

Wer in einem Nest geborgen ist und wachsen will, muss dieses Nest verlassen. Sonst geht er entweder zugrunde oder verkümmert. Meine zentrale Glaubenserfahrung ist die Menschwerdung Gottes. Gott verlässt aus Liebe zur Welt sein trinitarisches „Nest“ und macht sich auf die Suche nach dem Menschen. Das Aus-sich-Herausgehen Gottes, sein ekstatisches Eingehen in die Welt, hat mich dazu bewegt, meine wunderbare Salzburger Welt zu verlassen. Im Hineingehen in die Welt, in der Suche nach dem Menschen habe ich gelernt zu glauben. Diese Bewegung ist nicht eigentlich eine Nachfolge, sondern ein Gehen parallel zu Jesus. Denn sie hat mich in viele Bereiche hineingeführt, mit denen der historische Jesus, der Jesus der Evangelien vor 2000 Jahren, nichts zu tun hatte, wie etwa in die Kunst oder in eine Pfarre im mittelständischen Hietzing. Da gibt es keine Fußspuren Jesu, in die ich treten könnte. Ich gehe auf eigene Gefahr.

Woher nehme ich die Kraft, diesen Weg zu gehen? Am 12. Mai 1989 ist in der Neuen Zürcher Zeitung ein Text von Hans Weder erschienen: „Die Entdeckung des Glaubens im Neuen Testament“. Weder weist darauf hin, dass Jesus im durchwegs mehrdeutigen Verhalten der Menschen den Glauben entdeckt, also Vertrauen wahrnimmt und bestärkt. Jesus spielt dem Menschen den Glauben zu, so etwa, wie ein Witz, der zum Lachen bringen kann, dieses Lachen „zuspielt“. Oder wie im Sport ein Ball zugespielt und aufgenommen wird. Sicher hat mir Salzburg den Glauben zugespielt. Aber diese großen Anfänge sind lange vorbei. Es sind heute viele kleine Ereignisse im Alltag, die mir den Glauben zuspielen, die diesen Glauben lebendig erhalten und wachsen lassen. Damit das geschehen kann, muss ich mich allerdings in den Alltag hineinbegeben.
Die Amseln werfen ihre Jungen, die sie bis dahin hingebungsvoll gefüttert haben, zu einem bestimmten Zeitpunkt aus dem Nest. Doch die jungen Amseln können noch nicht fliegen. Die Welt außerhalb ist lebensgefährlich. Nicht wenige der jungen Vögel werden Opfer ihrer Feinde. Die anderen lernen fliegen. Wir müssen das bergende Nest verlassen. Wir müssen unser Leben aufs Spiel setzen. Nur so lernen wir fliegen. Das habe ich von den Amseln gelernt. Und von Jesus.

Ein gesegnetes Neues Jahr Gustav Schörghofer SJ

Warten können

Advent sei eine Zeit des Wartens, der inneren Vorbereitung auf eine Ankunft – so heißt es. Aber von Warten und stiller Vorbereitung kann nicht die Rede sein. Kaum sind die Weihnachtsmärkte eröffnet, und sie werden immer früher eröffnet, kaum brennen die Beleuchtungen der Einkaufsstraßen, nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Die zum Konsum animierten Scharen kommen ihrer Verpflichtung nach, den Umsatz auch dieses Jahr möglichst zu steigern. Auch heuer wird sich daran nichts ändern, obwohl die Belastungen immer höher, die Nöte spürbarer werden.
Aber wir können auch anders. Wir können tatsächlich warten. Wir können uns vorbereiten. Wir können den Lebensstil ändern, nicht das Altgewohnte einfach fortschreiben, sondern uns auf etwas Neues einlassen. Dazu wäre jetzt Gelegenheit.

Warten ist eine Grundhaltung des Lebens. Das Leben beginnt mit einer Wartezeit, neun Monate lang. Alles Neue muss erwartet werden. Ohne Warten und Erwartung würde das Leben leer werden. Wenn es nichts mehr zu erwarten gibt, ist das Leben am Ende. Worauf wird gewartet?
Ich warte auf etwas, das zwar schon anwesend aber mir noch nicht wirklich gegenwärtig ist. Das lässt sich schön vor einem Kunstwerk erfahren. Selbstverständlich ist das Bild mir vor Augen, es hängt dort an der Wand. Aber dass es mir gegenwärtig wird, dass es zu mir spricht, sich mir auftut, das erfordert eine oft lange Zeit des Wartens. Ich muss mich leer machen für die Gegenwart des Kunstwerks, frei von Vorstellungen, Informationen, Phantasien mich auf das einlassen, was hier vor Augen ist. Das gleiche gilt für die Begegnung mit anderen Menschen. Wie viel tragen wir an andere heran, Wünsche, Erwartungen, Vorurteile. Alles das muss sich auflösen, wenn ich den Anderen wahrnehmen will. Nur so kann Beziehung gelebt werden.

Wie oft verhindert der Drang, die Dinge dieser Welt zu verbessern, die Einsicht in das Wunderbare vor unseren Augen. Mit Gott ist es nicht anders. Was haben wir Gott nicht alles vorzuwerfen? Was bleibt er uns nicht alles schuldig? Was könnte er nicht alles besser machen? Aber wissen wir wirklich so gut Bescheid? Oft wird erst im Rückblick ersichtlich, dass durch die noch so großen Dunkelheiten ein geheimnisvoller Weg ins Freie geführt hat.

Ich bin vorsichtig geworden. Ich habe gelernt, zu warten und mich überraschen zu lassen. Das Warten habe ich beim Betrachten von Kunstwerken, dem Hören von Musik, in der Begegnung mit Menschen eingeübt. Warten erfordert die Treue zum Gegenüber. Freilich muss das Gegenüber auch eine Qualität besitzen, die das Warten ermöglicht. Was nur der Unterhaltung dient, besitzt diese Qualität nicht. Aber selbst in den kleinsten Dingen ist ein Wunder zu entdecken. Wie in jenem Geschehen, das aus dem Kleinsten im Leib einer Mutter Gestalt annimmt und zu einem neuen Leben heranwächst. Erwartet und mit Freude empfangen am Tag der Geburt.

Gesegnete Weihnachten! Gustav Schörghofer SJ

Was gilt?

Es gibt Menschen, die genau wissen, wie man sich zu benehmen hat. Sie kennen die Regeln und machen nichts falsch. Es gibt auch Menschen, die genau wissen, wie etwas auszusehen hat, wie zum Beispiel echte Kunst aussieht oder wirkliche Musik klingt. Sie haben ganz genaue Vorstellungen, geformt an dem, was sie gewohnt sind und als gültig anerkennen. Es gibt auch Menschen, die genau wissen, was in der Religion wahr und falsch ist. Und dann gibt es Menschen, die alles das nicht wissen. Sie wissen sich nicht zu benehmen, haben keine Ahnung von Kunst und sind ausgestoßen aus dem Kreis der Frommen. Mit denen redet man nicht. Mit denen will man nichts zu tun haben.

Ich kenne mich in einigen Bereichen verhältnismäßig gut aus. Aber je besser ich mich auskenne, desto vorsichtiger bin ich im Urteil geworden. Denn den eigenen Vorstellungen ist nicht zu trauen. Wir basteln uns Konstruktionen zurecht. Und gerade heute, in einer Epoche nach dem Ende alter Traditionen ist es besonders notwendig, vorsichtig zu sein und den Vorstellungen anderer genauso zu misstrauen wie den eigenen. Allzu leicht wird aus Befürchtungen, Vermutungen, Wünschen, Neigungen und Abneigungen ein Gedankengebäude errichtet, in dem die Wirklichkeit oder all das, was uns begegnet, Platz haben soll. Was nicht hineinpasst, das gibt es nicht. Oder es wird schlicht und einfach abgelehnt, bekämpft, verachtet.

Wir leben in Zeiten großer Verwirrung. Was gilt oder nicht gilt ist oft sehr schwer zu sagen. Die alten Gewissheiten sind zerbrochen. Neue Gewissheiten sind allzu oft verdächtig. Ja, meistens gilt: Wenn wir uns zu sehr gewiss sind, wird unser Blick eingeengt. Wir sehen nur das, was in unsere Vorstellung passt und unseren Wünschen entspricht. Aber vielleicht ist die Welt viel größer und weiter, viel zauberhafter und voller Wunder? Vielleicht hindern uns gerade unsere festen Überzeugungen daran, Neues zu entdecken, uns auf Ungewohntes einzulassen? Vielleicht kleben wir zu sehr an dem, was wir kennen, beherrschen, aus eigener Kraft bewältigen? Haben wir noch einen Sinn dafür, dass es etwas gibt jenseits unseres eigenen Vermögens? Einen Sinn für das, was der Glaube Gnade nennt. Gemeint ist damit die Tatsache, dass wir uns das Leben nicht selber schenken können, sondern dass es uns geschenkt wird. Das geschieht jeden Tag neu auf überraschende Weise. Aber entdecken werden das nur jene, die wissen, dass sie nicht aus eigenem Verdienst oder weil sie sich so gut auskennen am Leben sind, die wissen, dass sie sich die entscheidenden Dinge schenken lassen müssen. Das sind jene, die wissen, dass sie auf Barmherzigkeit angewiesen sind. Sie vertrauen sich der Aufmerksamkeit eines Gegenübers an, das sie in ihrer Schwäche und Unzulänglichkeit wahrnimmt und liebt. Der Gott der Bibel wendet sich dem von anderen Verachteten zu. Dort, wo alles zugrunde gegangen ist, macht er einen neuen Anfang. Dieser Anfang ist größer als alle noch so perfekten Konstruktionen der Selbstgenügsamen.
Gustav Schörghofer SJ

Die Schönheit des Dankes

Die Schönheit des Dankes nicht in Orchideen suchen, sondern in einem Strauß von Gänseblümchen. Sie nicht in üppigen Reden suchen, sondern im Klang eines schlichten Wortes. Sie nicht in kostbaren Gaben suchen, sondern im Unscheinbaren, dem Zeichen tiefer Zuneigung. Sie nicht dort suchen, wo aus dem Überfluss etwas abgegeben wird, sondern dort, wo liebevolle Aufmerksamkeit auch dem Kleinsten Glanz verleiht. Dort ist die Schönheit des Dankes zu entdecken, dort leuchtet sie auf.

Warum soll der Dank schön sein? Genügt es nicht, einfach formell zum Ausdruck zu bringen, dass ein erfahrenes Entgegenkommen nicht als selbstverständlich gewertet wird? Vielleicht mag es vielen genügen. Man hat einer Pflicht Genüge getan, sich für eine Einladung, ein Geschenk, einen Gruß bedankt. Doch bleibt denen, die es damit genug sein lassen, eine ganze Welt verschlossen. Welche Welt?

Wir können eine Welt erobern, an uns reißen, uns ihrer bemächtigen. Wir können durch geduldige und lange Arbeit Besitz anhäufen und ihn als Selbstverständlichkeit in Anspruch nehmen, da wir entsprechende Leistungen vorzuweisen haben. Wir werden den Besitz aufzehren, das uns Zustehende konsumieren, doch dankbar werden wir nicht sein. Der Dank geht in der Spur des Geschenks. Er wird dort erweckt, wo die Erfahrung des unverdienten Entgegenkommens gemacht wird. Der Dank ist eng mit den Erfahrungen von Kindern verbunden. Denn sie sind auf das Entgegenkommen anderer angewiesen. Die Erwachsenen wissen sich selber zu helfen. Das lässt den Dank erlahmen. Doch wer sein Leben mit anderen teilt, weiß oft nicht mehr, wie sich selber helfen. Er oder sie ist auf das Entgegenkommen anderer angewiesen. Und damit erschließt sich eine andere, eine neue Welt.

Es gibt die Welt der Aufmerksamen. Es gibt die Welt derer, die ohne die Anderen nicht leben wollen. Es gibt die Welt derer, die bereit sind, immer neu zu beginnen, zu verzeihen, die sich nicht von der Last der Erfahrung die Lust am Entdecken nehmen lassen. Es gibt die Welt derer, die Tag für Tag Gegebenheiten und Ereignisse als Geschenk zu erkennen wissen, die in allem ein großes Entgegenkommen wahrzunehmen wissen. Ihnen erschließt sich die Welt in einer wunderbaren Schönheit. Und in ihnen wird der Sinn dafür wachgerufen, dass sie selber dazu berufen sind, diese Schönheit zu hüten und zu mehren. Ihr Dank wird schön sein. Die Schönheit des Dankes ist in der Hingabe des Lebens begründet. Sie wird in kleinen Gesten des Alltags gelebt, im beruflichen Können, in Geduld und unermüdlichem Bemühen, in der Eleganz des Benehmens und im schlichten Geschenk eines Kindes. Den großen Gesten ist zu misstrauen. Die Schönheit der Hingabe und die Schönheit des Dankes zeigen sich im Unscheinbaren.

So werden wir auch in dieser erschütterten Welt leben. Gustav Schörghofer SJ