Neues Leben Zurzeit geschieht vieles, das vor kurzem noch unvorstellbar war. Das Feiern öffentlicher Messen ist verboten. Keine Veranstaltungen, keine Konzerte, keine Oper, keine Feste. Es wird noch lange dauern, bis öffentliche Gottesdienste und Konzerte und festliche Eröffnungen von Ausstellungen wieder uneingeschränkt möglich sein werden.
Es gibt aber nicht nur große Verluste zu beklagen. Es gibt vieles, das jetzt deutlicher als früher in Erscheinung tritt. Ein wunderbarer Erfindungsreichtum zeigt sich, Hilfsbereitschaft wird oft im Stillen geübt, und so manches, das früher wichtig schien, erweist sich nun als bedeutungslos.
Nachdem das öffentliche Feiern von Messen untersagt worden war, habe ich beschlossen, keine Messen in der Konzilsgedächtniskirche zu feiern. Eine Messfeier allein oder mit vier Personen hinter verschlossenen Türen entspricht nicht unserem Stil. Wir stellen wöchentlich die Predigt auf die Homepage der Pfarre. Dort ist sie zu lesen und zu hören. Sehr wichtig ist mir, dass die Kirche offen bleibt, Tag und Nacht. Wer sie besucht, und das ist bei unserer Kirche mit ihren vier Eingängen und dem weiten Raum leicht möglich, findet einen sorgfältig gepflegten und gestalteten Raum vor. Es ist still hier. Manchmal gibt es auch Musik. Es gab immer wieder etwas zum Mitnehmen, Palmzweige, die Predigten, das Osterlicht.
Über 200 Kerzen und Osterlichter sind aus der Kirche hinausgetragen worden. Der Ort lebt und atmet. In den Familien lebt die Hauskirche. Anregungen für Gottesdienste sind mit viel Kreativität gestaltet und auf die Homepage gestellt worden. Tausend Dank!
Zurzeit liegt die bisherige Mensa des Altars der Sakramentskapelle vor dem Altar in der Mitte der Kirche. Diese alte furnierte Holzfaserplatte ist durch eine massive Birnholzplatte ersetzt worden. David Nitsche, Tischler in der Steinlechnergasse, hat dieses besonders schöne Stück hergestellt. Die Jungschar hat sich des neu gepachteten Grundstücks in der Steinlechnergasse angenommen. Was dort geübt wird, ist ein achtsamer Umgang mit Natur. Sträucher wurden gepflanzt, Erde wurde ausgebracht und Rasen gesät. Tausend Dank allen, die mitgearbeitet haben und weiter Verantwortung übernehmen, dass das Begonnene gut gedeiht.
Es gibt viele Kontakte und gegenwärtig mehr Hilfsbereitschaft als Bitten um Hilfe. Die sozialen Dienste haben einmal unter freiem Himmel stattgefunden. Ted Pannasch haben wir in der Wärmestube kennen gelernt und bereits Mitte Dezember aufgenommen. Bis Anfang Mai ist er Gast der Pfarre und der Jesuiten in der früheren Kaplanswohnung über der Ministrantensakristei.
Unser Mesner Georg Bachmann arbeitet eingeschränkt. Er kümmert sich um die Kirche und die beiden anderen Häuser. Die Pfarrsekretärinnen Birgit Gulder und Ruth Heiserer arbeiten im home office und pflegen viele Kontakte. Auch unsere Kirchenmusikerin Antanina Kalechyts und unsere Verantwortlichen in der Jugendarbeit Tobias Steinbichler und Mirjam Gerstbach arbeiten weitgehend im home office.
Christus ist auferstanden. Es gibt neues Leben in der Pfarre. Allen, die dieses Leben ermöglichen und zum Gedeihen bringen, tausend Dank.
Gustav Schörghofer SJ

Statt dem Mitteilungsblatt legt P. Schörghofer im April jede Woche seine Predigt in der Kirche auf. Sobald wir wir aktuelle Termine haben, wird es ein neues Terminblatt geben.

Nicht Wiederkehr, sondern Entgegenkommen

Die Schneeglöckchen blühen wieder. Auch die Schneerosen blühen. Und die kleinen gelben Primeln. Bald blühen auch die Leberblümchen und die Märzenbecher und die Narzissen. Es ist jedes Jahr das gleiche. Die Erde dreht sich immer gleich um die eigene Achse, sie umkreist immer gleich die Sonne. Die Milchstraße wirbelt immer gleich und die Bewegungen des ganzen Alls laufen nach immer gleichen Gesetzen ab. Es gibt nichts Neues. Alles ist schon gewesen und wird wieder sein, ein nie endender Kreislauf. Auch die Geschichte scheint in all ihrer Komplexität diesen Gesetzen zu gehorchen. Niedergang und Aufstieg der Kulturen, ein Kommen und Gehen der Völker. Die Vorstellung eines linearen Fortgangs, eines Fortschritts zum immer Besseren, scheint angesichts der herrschenden Verhältnisse nicht haltbar. Es ist ein Kreislauf des immer Gleichen.

Die Vorstellung der ewigen Wiederkehr des Gleichen hat für mich etwas Erschreckendes. Selbst wenn ich annehme, es wäre alles gut, wirkt sie lähmend. Niemals das Einbrechen des Unerhörten in unser Leben zu erfahren, niemals das Aufleuchten des Neuen, das völlig Überraschende Entgegenkommen des noch nie Geschauten zu erleben, sondern in einer Welt ohne Überraschungen, ohne Aufbrüche zu leben, das halte ich ganz und gar nicht für erstrebenswert. Ich sehne mich nach etwas anderem, das mir im Christentum begegnet. Der christliche Glaube weiß, dass wir in einer Endzeit leben, jetzt schon. Es wird nicht anders und es wird nicht besser. Wir leben an einer Schwelle, inmitten ungeheurer Kämpfe und sind immer in Gefahr. Es gibt keinen Fortschritt. Insofern ist die christliche Sicht von Geschichte der Vorstellung einer ewigen Wiederkehr des Gleichen verwandt. Doch gibt es im Christlichen noch etwas anderes. Eingetaucht in die Kämpfe dieser Endzeit erwarten wir das Entgegenkommen Gottes. Dieses Erwarten teilen die Christen mit den Juden. Die Christen glauben an ein bereits geschehenes Entgegenkommen Gottes in Jesus Christus. Doch auch sie warten auf das endgültige Entgegenkommen.

Nun geschieht dieses Entgegenkommen Gottes nicht nur im Großen eines Weltendes. Es geschieht auch im Kleinen alltäglicher Ereignisse. Es geschieht im Aufblühen der Pflanzen, im Herabsinken der Nacht und im Aufgang eines neuen Tags, es geschieht in allen Dingen dieser Welt, in allen Freuden und in allen Leiden. Es geschieht in einer Welt, die von der Zerstörung durch Menschen gezeichnet ist. Das Entgegenkommen Gottes ist die Offenbarung einer Liebe, die uns auch in den dunklen Stunden des Lebens trägt. Dieses Entgegenkommen entreißt uns der ewigen Wiederkehr des Gleichen. Die Erfahrung dieses Entgegenkommens macht alles neu, immer wieder einzigartig, wunderbar und erstaunlich.
Eine schöne Vorbereitungszeit auf Ostern hin! Gustav Schörghofer SJ

Ernsthaft

Beim Hören der Nachrichten beschleicht mich immer wieder ein merkwürdiges Gefühl. Es ist der Eindruck, dass hier etwas verschwiegen wird, nicht zum Ausdruck kommt, ja eigentlich gar nicht als nennenswert empfunden wird. Mir fehlt der Sinn für Ernsthaftigkeit. Denn was als Neuigkeit aus aller Welt geboten wird, ist eine Ansammlung von Frivolitäten. Grauenhaft anzuhören, wie das Morden und Töten im Irak und im Iran zum frivolen Spiel um Macht verkommt. Grauenhaft zu erleben, wie die frivolen Machtspiele europäischer Innenpolitik das Leiden und die Not ungezählter Flüchtlinge gar nicht in das Blickfeld kommen lassen. Grauenhaft ist auch der frivole Ästhetizismus einer europäischen Kultur, die sich in Selbstbespiegelung erschöpft.

Ernsthaftigkeit bedeutet keineswegs Mangel an Humor oder eine fehlende Fähigkeit zu lachen. Karl Valentin ist ernsthaft. Doch sein Ernst ist derart radikal, dass das Lachen unerlässlich ist. Er wäre sonst nicht zu ertragen, würde einen erdrücken. Das Lachen hebt den Ernst nicht auf. Es schenkt aber die zum Handeln nötige Freiheit.

Wenn ich etwas ernsthaft betreibe, muss ich mir über die Gründe meines Tuns im Klaren sein. Diese Gründe müssen außerhalb meiner eigenen Interessen liegen. Mein Tun muss von dem klaren Willen geleitet sein, dem Leben der Anderen zur Entfaltung zu verhelfen. Ernsthaftigkeit bedeutet, mich selbst und mein Gegenüber wahrzunehmen und anzuerkennen. Ernsthaftigkeit bedeutet, um das Wohl des Anderen bemüht zu sein und ist das Gegenteil jenes frivolen Spiels, in dem jeder vor allem anderen seinen eigenen Vorteil sucht. Ernsthaftigkeit ist daher für das Gelingen des Zusammenlebens der Menschen untereinander und für das Gelingen ihres Zusammenlebens mit den Lebewesen und allem Unbelebten dieser Welt unerlässlich.

Wer ist ernsthaft in der Literatur? Karl Valentin, Samuel Beckett, Thomas Bernhard, Friederike Mayröcker, Elfriede Jelinek. Wer ist ernsthaft in der Kunst? Mark Rothko, Barnett Newman, Agnes Martin, Maria Lassnig, Meina Schellander, Gabriele Rothemann, Helmut Federle. Wer ist ernsthaft in einer Pfarrgemeinde? Jene, die den Anderen wahrnehmen und mit Herz und Verstand für den Anderen da sind. Ernsthaftigkeit ist eine Angelegenheit der präzisen Wahrnehmung und eines Könnens, das gleichermaßen in Mitgefühl und Sachverstand verwurzelt ist. Die ernsthaften Menschen einer Pfarrgemeinde, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, werden sich nicht von Dank oder Anerkennung anderer abhängig machen. Was sie tun, tun sie, weil sie die Welt ernst nehmen. Darin gleicht das Tun ernsthafter Menschen dem Tun Gottes.

Ganz im Ernst wünsche ich Ihnen einen schönen Fasching. Gustav Schörghofer SJ