Frauengebet Fr., 7 Okt. 10:30

Flohmarkt Sa., 8 Okt. 10:00

Flohmarkt So., 9 Okt. 10:00

Erstkommunions-elternabend Mi., 19 Okt. 19:00

Frauengebet Fr., 21 Okt. 10:30

Frauengebet Fr., 4 Nov. 10:30

Frauengebet Fr., 18 Nov. 10:30

Frauengebet Fr., 2 Dez. 10:30

Frauengebet Fr., 16 Dez. 10:30

Neu und schön

Das Morgenjournal in Ö1 ist eine hörenswerte Sendung. Aber schön langsam wird es mir zu viel. Jeden Morgen wird eine jeweils neue Variante der alten Misere präsentiert. Immer öfter wechsle ich zu Johann Sebastian Bach. Orgelmusik. Die Canzona in b BWV 588 oder das mächtige Orgelstück BWV 572 oder gar die Passcaglia in c BWV 582. Und das immer wieder. Auch eine Wiederholung. Aber nicht die Wiederholung der alten Misere, sondern immer neu die Erfahrung von etwas anderem. Es ist keine Weltflucht. Diese Musik drückt mich in die Welt hinein. Es ist eine Welt, die des Neuen fähig ist. Das suche ich.

Das gibt es nämlich, dieses Neue, den neuen Anfang. Auch in der Kirche gibt es das, die Taufe ist ja gerade die Feier eines neuen Anfangs, einer neuen Geburt. Sicherlich werde ich dieses Neue nicht erfahren, wenn ich mich immer neu in die alte Misere vertiefe. Aber wie kann ich es erfahren? Das Hören der Orgelmusik von Johann Sebastian Bach allein genügt ja doch nicht.

Von Jesus habe ich mir zwei Weisen abgeschaut, wie ich für das Neue offen sein und wie ich selber mitwirken kann, dass es sich zeigt. Zum einen ist es das Entgegenkommen, zum anderen die Entdeckung. Um es genauer zu sagen, es ist ein Entgegenkommen in Schönheit und das Entdecken der Schönheit im Anderen.

Die Schönheit wird in der katholischen Kirche sehr unterschätzt. Mehr noch, sie wird nicht wirklich gepflegt und nicht in ihrer Bedeutung anerkannt. Wer aber die Evangelien liest, wird entdecken, dass Jesus einen feinen Sinn für Schönheit hatte. Mehr noch, er hat andere auf vielfache Weise gelehrt, Schönheit zu entdecken. Beides zeigt sich in den Gleichnissen vom Himmelreich (Mt 13) und in vielen anderen Erzählungen Jesu genauso wie in seiner Art und Weise, menschliches Verhalten zu interpretieren (etwa in Mt 26, 6-13). Was heißt es aber, einem anderen in Schönheit entgegenzukommen? Die notwendige Voraussetzung dafür ist, sich aller äußerlichen Macht, sei sie materiell, politisch oder durch Privilegien bedingt, zu entledigen. Es gibt eine Schönheit, die aus Glauben, Hoffnung und Liebe hervorgeht, das Leuchten einer geistigen Schönheit, das sich auch in der Leiblichkeit zeigt. Sie zeigt sich im Verhalten denen gegenüber, die unter Machtmissbrauch zu leiden haben, und im Verhalten denen gegenüber, die Macht missbrauchen. Diese Schönheit schafft einen für alle offenen Raum.

Ein Entgegenkommen in Schönheit lehrt auch, die Schönheit im Anderen zu entdecken. So entstehen Orte der Schönheit. An der Art und Weise, wie Menschen, Tiere, Pflanzen, Dinge behandelt werden, ist gut zu erkennen, ob dort dieser Geist des Entgegenkommens weht. Und wo er weht, dort geschieht das Neue, dort gibt es den neuen Anfang, die neue Geburt. Das Neue ist an der Schönheit zu erkennen und der Blick für die Schönheit entdeckt das Neue.

Wagen wir das Neue und Schöne! Gustav Schörghofer SJ

Warum?

Warum verlässt jemand sein kleines Paradies, eine Welt, in der er glücklich sein konnte, alles hatte, Wohlstand, Schönheit, liebevolle Beziehungen? Was veranlasst jemand dazu, über die Grenzen der eigenen und vertrauten Welt hinauszugehen, sich auf Unbekanntes, Gefahren, mögliches Scheitern einzulassen? Warum sollte sich ein Hochbegabter um durchschnittlich Begabte bemühen? Diese Fragen beschäftigen mich. Irgendwann ist mir klar geworden, dass die Menschwerdung Gottes nichts Anderes ist als die Antwort auf all diese Fragen.

Warum wird Gott Mensch? Warum verlässt er seinen Himmel, sein Paradies, in dem er alles hatte? Warum ist er so wahnsinnig, sich auf diese Welt mit all ihren Mühen und Plagen, ihrer Gemeinheit und Hinterhältigkeit, ihrer Niedrigkeit einzulassen? Warum wird er Mensch? Im Exerzitienbuch des Ignatius von Loyola gibt es die Betrachtung der Menschwerdung. Der Übende soll sich die Dreifaltigkeit auf ihrem Thron im Himmel vorstellen, wie sie auf die Erde schaut und wahrnimmt, dass alles zu Hölle fährt und dann beschließt, dass die zweite Person Mensch wird. Als Vierundzwanzigjähriger habe ich von dieser Betrachtung nichts gewusst. Was mich aber nicht losgelassen hat seit damals ist, dass sich Gott das antut. Damals ist mir klar geworden: Wenn sich Gott so verhält, dann kann ich nicht in meinem kleinen, schönen Reich bleiben, dann muss auch ich mich aufmachen.

Was bringt mich dazu, mich über die Grenzen meiner Welt hinauszuwagen? Die Gründe können verschiedene sein. Ein Grund, und wie ich denke der entscheidende, ist die Liebe. Wenn ich diesen Weg aus dem Eigenen hinaus in die Welt hinein und auf die Menschen zu aus Liebe gehe, dann wird sich mir eine neue Welt auftun. Dann wird sich die Welt ins Wunderbare hinein verwandeln. Unsere Liebe buchstabiert die Liebe Gottes nach, ein bisschen so, wie der Volksschüler den Worten eines großartigen Gedichts buchstabierend folgt. Aber nach und nach geht uns auf, dass wir am Rande eines Meeres stehen, dass uns von weit her Mächtiges anhaucht, dass wir mit unseren Gedanken, Worten und Werken an Großes und Geheimnisvolles rühren.

Überall dort, wo Menschen aus sich herausgehen, auf andere zugehen, sich Anderem öffnen, klingt die große Melodie der Hingabe Gottes an diese Welt an. Oft geschieht das in kleinen Gesten, Aufmerksamkeiten im Alltäglichen. Es geschieht in der sorgfältigen Ausübung eines Handwerks, in der Pflege bedürftiger Menschen, im Bemühen von Lehrerinnen und Lehrern, im Tun von Künstlerinnen und Künstlern, im Musizieren, in tausend Dingen. All das verwandelt die Welt und hält unsere Gesellschaft zusammen. Und in all dem ist etwas Großes zu ahnen, das von weither kommt und ganz nahe ist, eine stille und mächtige Liebe.

Einen schönen Sommer! Gustav Schörghofer SJ

Was ich von Kindern lerne

Vergangenen Samstag haben wir die Erstkommunion von vierundvierzig Kindern gefeiert. Mit dem Mikrophon bin ich von Kind zu Kind gegangen, und jedes der Kinder hat seinen Namen genannt. Die Namen waren sehr verschieden, noch unterschiedlicher aber waren der Klang der Sprache, die Lautstärke und Melodie. Eine erstaunliche Vielfalt hat sich zu erkennen gegeben, allein schon im Aussprechen des Namens. In dieser Vielfalt liegen auch ein ganz eigener Zauber und ein Geheimnis. Denn wenn wir beim Namen gerufen werden, wird immer ein ganz bestimmter Mensch gerufen. Kindern ist es sehr wichtig, beim Namen gerufen zu werden.

Zur Vorbereitung auf die Erste Kommunion hat auch das Backen von Brot gehört. Das war bei uns ein bisschen ungewöhnlich. Gestaltet wurde die Vorbereitung von zwei Künstlern, von Miriam Laussegger und Götz Bury. Miriam gab die Anleitung zum Mischen von Mehl, Wasser und Öl. Dann hat jedes Kind seine Masse geknetet, eine Arbeit, der sie sich mit Hingabe gewidmet haben. Und schließlich das Backen. Dazu wurden von Götz mitgebrachte alte Bügeleisen verwendet, ideal geeignet mit ihren heißen Platten. Ich habe den Kindern in der Erstkommunionsmesse die Priesterhostie gezeigt, in einer innen vergoldeten Schale gelegen hat sie sehr kostbar gewirkt und mit ihrer Größe beeindruckt. Dann kam die Frage: Was ist in diesem Brot enthalten? Die Antworten waren vielfältig wie die Namen der Kinder. Die materiellen Bestandteile wurden aufgezählt, aber auch anderes, das in dieses Brot eingegangen ist, Liebe, Ausdauer, Stress, Vertrauen. Wenn all das in dem Brot enthalten ist, dann ist damit schon eine Brücke geschlagen zum Geheimnis der leibhaftigen Gegenwart Jesu Christi, zur Gegenwart seiner Liebe, seines Mühens um uns (echter Stress) und seiner Ausdauer.

Die Fürbitten wurden von den Kindern spontan gesprochen. Da tat sich eine erstaunliche Welt auf, Mitgefühl mit vielem, das dem Blick der Erwachsenen oft entgeht. Die Kinder baten für die notleidenden Menschen in den Kriegen, für die Kinder in der Ukraine, für hungernde Kinder, für gefährdete Tiere und Pflanzen, für Schweine auf Spaltböden, für Verstorbene, für Geschwister und Eltern, für alte und kranke Menschen, für ihre Haustiere (zwei Schildkröten und eine Katze namens Kleopatra), für eine Katze, die kastriert werden soll, dass das ohne Schmerzen für das Tier geschehe, und für vieles andere.

Auch ich bin ein Kind gewesen. Ich habe das Glück gehabt, dass ich mich als Kind frei entfalten konnte, in kein Schema gepresst worden bin und mit all den damit verbundenen Nöten und Unsicherheiten meinen Weg finden konnte. Ich habe das Kind in mir, das Wesen mit seinem wachen Geist für den richtigen Weg, nie verloren. Bis jetzt ist es mein kostbarer Schatz. Kinder sind in unserer Gesellschaft ein äußerst kostbarer Schatz. Sie zeigen uns, den Erwachsenen, einen anderen Zugang zum Leben als jenen, der in einer auf Funktionalität, Leistung und Konsum ausgerichteten Erwachsenenwelt eingeübt worden ist.

Ein schönes Pfingstfest!
Gustav Schörghofer SJ

Größer denken

Drei junge Männer werden in einen Ofen geworfen. Rund um sie herum lodern die Flammen. Doch das Feuer tut ihnen nichts zuleide. Die drei stimmen einen Lobgesang an, sie loben und preisen zuerst Gott. Doch dann singen sie, ja, sie singen: „Preist den Herrn, all ihr Werke des Herrn, lobt und rühmt ihn in Ewigkeit.“ Und sie beziehen die gesamte Schöpfung in ihren Lobgesang ein, die Himmel, die Engel, Sonne, Mond und Sterne, Regen und Tau, Winde, Feuer und Glut, Frost und Hitze, Eis und Kälte, Berge und Hügel, Gewächse, Tiere des Meeres, wilde und zahme Tiere. Schließlich wird auch der Mensch erwähnt. Zum Schluss kommen auch die drei Männer persönlich vor: „Preist den Herrn, Hananja, Asarja und Mischael, lobt und rühmt ihn in Ewigkeit. Denn er hat uns der Unterwelt entrissen und aus der Gewalt des Todes errettet.“ (Dan 3, 51-90)

Die Osterikone der Ostkirche zeigt Christus, der in die Unterwelt, den Hades, hinabgestiegen ist, die Hadespforten zertrümmert hat, Adam und Eva an der Hand fasst und sie dem Reich der Schatten und der Vergeblichkeit entreißt. Alle anderen Bewohner der Unterwelt werden gemeinsam mit Adam und Eva herausgerissen. Sie alle hängen sich an den Auferstandenen und hängen sich aneinander.

Durch Jahrhunderte wurde Erlösung als Befreiung des Menschen gedeutet. Die Schöpfung, Steine, Pflanzen, Tiere sind aus dem Blick geraten. Sie wurden als Mittel gesehen, „damit sie ihm (dem Menschen) bei der Verfolgung des Ziels helfen, zu dem er geschaffen ist.“ (Ignatius von Loyola, Geistliche Übungen, 23) Doch die Erde, die Pflanzen, die Tiere sind mehr als nur Mittel. Sie haben ein Recht, wahrgenommen, gepflegt und behütet zu werden. Auch sie wachsen in die große Erlösung hinein. „Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes“ schreibt Paulus an die Gemeinde in Rom (8,21). Heute, nach dem Ende der Neuzeit, das Romano Guardini so hellsichtig erkannt hat, und dem Ende der alten Kultur des christlichen Abendlandes kommt diese Wirklichkeit wieder in den Blick.

Wir leben in einem Zeitalter großer Zerstörung und gewaltiger, schmerzhafter Verluste. Wir leben aber auch in einer Zeit, die uns neu und überraschend vor Gott stehen lässt. Mit wem oder mit was will ich vor Gott stehen? Die drei jungen Männer im Ofen hatten eine sehr umfangreiche Liste. Sie zeigen uns: Auferstehung gibt es nicht individuell. Auferstehung gibt es nicht für einen Teil. Entweder alle oder niemand, entweder alles oder nichts. An wen oder an was hängen wir uns im Feuer der Gegenwart? Ohne wen oder ohne was will ich nicht auferstehen? Gerade jetzt können wir lernen, größer zu denken.

Eine schöne Zeit auf Pfingsten hin! Gustav Schörghofer SJ

Das Normale

Mehr als zwei Jahre leben wir nun bereits mit den Corona-Viren. Die kleinen Wesen werden uns auch in Zukunft begleiten. Sie werden künftig zum normalen Leben gehören. Von einer Rückkehr zur Normalität ist immer wieder die Rede. Doch was ist das, das „Normale“? Ist es der früher gewohnte Zustand? Was sollen wir als Maß nehmen für das „Normale“? Jenes scheinbar ins Grenzenlose zu steigernde Immer-Mehr eines materiellen Wachstums oder einen ebenfalls ins Grenzenlose sich steigernden Konsumismus? Ist es „normal“, dass wenige Menschen über einen Großteil der Reichtümer dieser Erde verfügen? Ist es „normal“, dass Millionen Menschen unter Krieg und Vertreibung zu leiden haben? Was ist das: das „Normale“?

Vor Jahren habe ich einen Vortrag von Michael Hiesmayr gehört, seine Antrittsvorlesung an der
MedUni Wien. Er sprach über „Das Normale in Anästhesie und Intensivmedizin“. „Es ist ein spezifisches Wissen, das wir täglich anwenden müssen, das uns Auskunft gibt über das „Normale“ jedes/r individuellen PatientIn. Wir kümmern uns während der Operation um die „normalen“ Werte der
Herz-, Kreislauffunktion und den notwendigen Flüssigkeitsersatz. Es ist Aufgabe der Anästhesisten und Intensivmediziner dieses „Normale“ zu beobachten, zu erforschen und als Richtschnur anzuwenden.“ So fasst Michael Hiesmayr den Inhalt seiner Vorlesung zusammen. (www.meduniwien.ac.at/web/ueber-uns/news/detail/prof-dr-michael-hiesmayr-das-normale-in-anaesthesie-und-intensivmedizin/).

Europa befindet sich gegenwärtig in einem äußerst kritischen Zustand. Er erfordert Menschen, die sich „um die normalen Werte der Herz-, Kreislauffunktion und den notwendigen Flüssigkeitsersatz“ kümmern. Aus der kunstgeschichtlichen Forschung weiß ich, dass im Fall von Europa dazu folgendes gehört: alles ist mit allem dynamisch verbunden und in Wechselwirkung; kleinere Ordnungen werden jeweils von größeren Ordnungen umfangen und sind in sie eingebettet; die Welt verhält sich uns gegenüber nicht stumm, sondern in der Weise eines aktiven Entgegenkommens; auch im scheinbar Unbedeutenden und Kleinen ist keimhaft das Ganze enthalten. Alles das gehört zu den normalen Werten unseres physisch-geistigen Organismus.

Wir erleben zurzeit eine Zersplitterung unseres physisch-geistigen Organismus, verursacht von Partikularinteressen aller Art. Menschen wie Anästhesisten und Intensivmediziner tun not, Menschen also, die nicht nur von der Reaktion auf eine jeweilige gegenwärtige Bedrohung getrieben werden, sondern den Organismus als Ganzen im Blick haben und sich um die „normalen Werte“ kümmern. Sie agieren nicht im Vordergrund und treten vielleicht gar nicht als die großen Gestalter in Erscheinung. Aber sie sind für das Leben im Ganzen von größter Bedeutung. Mehr als die großen heroischen Gesten hilft uns das ganz normale lebenserhaltende Tun des Alltags.

Gesegnete Ostern! Gustav Schörghofer SJ