Mariä Himmelfahrt Sa., 15 Aug. 10:00

Mariä Himmelfahrt Abendmesse Sa., 15 Aug. 19:30

Das große Ja

In „Die Buddenbrooks“ erzählt Thomas Mann gegen Ende des Romans auch die Geschichte von Hanno, des jüngsten Nachkommens der Familie. Er erkrankt schwer. Es geht um Leben oder Tod. Thomas Mann schildert, wie der junge Hanno Buddenbrook im Verlauf der Krankheit vor eine innere Wahl gestellt wird. Entscheidet er sich für das Leben? Oder willigt er ein zu sterben? Hanno verschließt sich der „Stimme des Lebens“. Da ist nichts, was ihn hält. Er stirbt.

Was hält mich am Leben? Was bewirkt in mir jenes oft unausgesprochene aber rettende Ja? Vielleicht lässt es sich gar nicht sagen. Denn dieses Ja muss aus Freiheit gesagt werden, und was aus Freiheit geschieht, lässt sich nicht weiter begründen. Doch die Freiheit muss geschenkt, eingeräumt werden. Was schafft der Freiheit Raum? Es ist schlicht gesagt erfahrene Bejahung, erlebte Liebe.

„Nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt werden wird.“ (Mt 10,26) Jedes Ja und jedes Nein, und mögen sie noch so sehr im Verborgenen gesagt werden, wird seine allgemein erkennbaren Auswirkungen haben. Wie kann heute ein Ja zum Leben aussehen, und was sind die Voraussetzungen, dass dieses Ja in Freiheit gesprochen werden kann? Es sind zwei Dinge, die ich für wesentlich halte: die Wahrnehmung und Pflege des Einfachen und die Entdeckung und Übung der Wertschätzung.

Wir leben in einem wirtschaftlichen System, zu dessen Erhaltung der Konsumismus unerlässlich ist. Das Christentum hat wesentlich mit Konsum zu tun, schließlich soll das Brot des Lebens, der Leib Christi, gegessen, konsumiert werden. Doch im Gegensatz zum Gott der Bibel, einem Gott der Liebe zu allem Geschaffenen, verschlingt der Gott des Konsumismus alles Vorhandene in unersättlicher Gier. Die Liebe pflegt und bewahrt, die Gier zerstört. Auf einem fiebernden und von Krankheit gefährdeten Planeten haben Christen die Wahl zwischen Ja und Nein. Nein bedeutet weiter zu machen mit der entfesselten Ichsucht von Individuen, Gruppen und Nationen. Ja bedeutet, in einem einfachen Leben den Blick für den Anderen offen zu halten und das Ja als Wertschätzung des Belebten und Unbelebten Gestalt werden zu lassen. Einfach leben bedeutet einen Konsum, der in mir die Ehrfurcht vor dem Konsumierten wachhält. Konsum bedeutet Kommunion. Konsumierend kommuniziere ich mit der Welt und wachse in zunehmende Verantwortung ihr gegenüber hinein. Konsumierend wächst in mir so auch die Wertschätzung dessen, was mir gegeben, geschenkt, anvertraut ist. Das ist der Weg des großen Ja, das aus der Freiheit kommt und in die Freiheit führt.


Einen schönen Sommer! Gustav Schörghofer SJ

Liebe Pfarrgemeinde,

aufgrund der neuen Lockerungen der Covid 19-Maßnahmen ergeben sich für die Messordnung im Juni einige Änderungen:

Jeden Sonntag und am Feiertag wird um 10:30 Uhr hl. Messe im Garten des KKH gefeiert.
Sollte es regnen, findet jeweils eine Messe um 10:00 Uhr und eine Messe um 11:30 Uhr in der Kirche statt.
Im Juni wird jeden Sonntag und Feiertag um 18:30 Uhr in der Kirche Abendmesse gefeiert.

Montag bis Freitag (außer Feiertag) wird um 8:30 Uhr in der Kirche eine Messe gefeiert.

P. Gustav Schörghofer SJ

Neues Leben Zurzeit geschieht vieles, das vor kurzem noch unvorstellbar war. Das Feiern öffentlicher Messen ist verboten. Keine Veranstaltungen, keine Konzerte, keine Oper, keine Feste. Es wird noch lange dauern, bis öffentliche Gottesdienste und Konzerte und festliche Eröffnungen von Ausstellungen wieder uneingeschränkt möglich sein werden.
Es gibt aber nicht nur große Verluste zu beklagen. Es gibt vieles, das jetzt deutlicher als früher in Erscheinung tritt. Ein wunderbarer Erfindungsreichtum zeigt sich, Hilfsbereitschaft wird oft im Stillen geübt, und so manches, das früher wichtig schien, erweist sich nun als bedeutungslos.
Nachdem das öffentliche Feiern von Messen untersagt worden war, habe ich beschlossen, keine Messen in der Konzilsgedächtniskirche zu feiern. Eine Messfeier allein oder mit vier Personen hinter verschlossenen Türen entspricht nicht unserem Stil. Wir stellen wöchentlich die Predigt auf die Homepage der Pfarre. Dort ist sie zu lesen und zu hören. Sehr wichtig ist mir, dass die Kirche offen bleibt, Tag und Nacht. Wer sie besucht, und das ist bei unserer Kirche mit ihren vier Eingängen und dem weiten Raum leicht möglich, findet einen sorgfältig gepflegten und gestalteten Raum vor. Es ist still hier. Manchmal gibt es auch Musik. Es gab immer wieder etwas zum Mitnehmen, Palmzweige, die Predigten, das Osterlicht.
Über 200 Kerzen und Osterlichter sind aus der Kirche hinausgetragen worden. Der Ort lebt und atmet. In den Familien lebt die Hauskirche. Anregungen für Gottesdienste sind mit viel Kreativität gestaltet und auf die Homepage gestellt worden. Tausend Dank!
Zurzeit liegt die bisherige Mensa des Altars der Sakramentskapelle vor dem Altar in der Mitte der Kirche. Diese alte furnierte Holzfaserplatte ist durch eine massive Birnholzplatte ersetzt worden. David Nitsche, Tischler in der Steinlechnergasse, hat dieses besonders schöne Stück hergestellt. Die Jungschar hat sich des neu gepachteten Grundstücks in der Steinlechnergasse angenommen. Was dort geübt wird, ist ein achtsamer Umgang mit Natur. Sträucher wurden gepflanzt, Erde wurde ausgebracht und Rasen gesät. Tausend Dank allen, die mitgearbeitet haben und weiter Verantwortung übernehmen, dass das Begonnene gut gedeiht.
Es gibt viele Kontakte und gegenwärtig mehr Hilfsbereitschaft als Bitten um Hilfe. Die sozialen Dienste haben einmal unter freiem Himmel stattgefunden. Ted Pannasch haben wir in der Wärmestube kennen gelernt und bereits Mitte Dezember aufgenommen. Bis Anfang Mai ist er Gast der Pfarre und der Jesuiten in der früheren Kaplanswohnung über der Ministrantensakristei.
Unser Mesner Georg Bachmann arbeitet eingeschränkt. Er kümmert sich um die Kirche und die beiden anderen Häuser. Die Pfarrsekretärinnen Birgit Gulder und Ruth Heiserer arbeiten im home office und pflegen viele Kontakte. Auch unsere Kirchenmusikerin Antanina Kalechyts und unsere Verantwortlichen in der Jugendarbeit Tobias Steinbichler und Mirjam Gerstbach arbeiten weitgehend im home office.
Christus ist auferstanden. Es gibt neues Leben in der Pfarre. Allen, die dieses Leben ermöglichen und zum Gedeihen bringen, tausend Dank.
Gustav Schörghofer SJ

Statt dem Mitteilungsblatt legt P. Schörghofer im April jede Woche seine Predigt in der Kirche auf. Sobald wir wir aktuelle Termine haben, wird es ein neues Terminblatt geben.

Nicht Wiederkehr, sondern Entgegenkommen

Die Schneeglöckchen blühen wieder. Auch die Schneerosen blühen. Und die kleinen gelben Primeln. Bald blühen auch die Leberblümchen und die Märzenbecher und die Narzissen. Es ist jedes Jahr das gleiche. Die Erde dreht sich immer gleich um die eigene Achse, sie umkreist immer gleich die Sonne. Die Milchstraße wirbelt immer gleich und die Bewegungen des ganzen Alls laufen nach immer gleichen Gesetzen ab. Es gibt nichts Neues. Alles ist schon gewesen und wird wieder sein, ein nie endender Kreislauf. Auch die Geschichte scheint in all ihrer Komplexität diesen Gesetzen zu gehorchen. Niedergang und Aufstieg der Kulturen, ein Kommen und Gehen der Völker. Die Vorstellung eines linearen Fortgangs, eines Fortschritts zum immer Besseren, scheint angesichts der herrschenden Verhältnisse nicht haltbar. Es ist ein Kreislauf des immer Gleichen.

Die Vorstellung der ewigen Wiederkehr des Gleichen hat für mich etwas Erschreckendes. Selbst wenn ich annehme, es wäre alles gut, wirkt sie lähmend. Niemals das Einbrechen des Unerhörten in unser Leben zu erfahren, niemals das Aufleuchten des Neuen, das völlig Überraschende Entgegenkommen des noch nie Geschauten zu erleben, sondern in einer Welt ohne Überraschungen, ohne Aufbrüche zu leben, das halte ich ganz und gar nicht für erstrebenswert. Ich sehne mich nach etwas anderem, das mir im Christentum begegnet. Der christliche Glaube weiß, dass wir in einer Endzeit leben, jetzt schon. Es wird nicht anders und es wird nicht besser. Wir leben an einer Schwelle, inmitten ungeheurer Kämpfe und sind immer in Gefahr. Es gibt keinen Fortschritt. Insofern ist die christliche Sicht von Geschichte der Vorstellung einer ewigen Wiederkehr des Gleichen verwandt. Doch gibt es im Christlichen noch etwas anderes. Eingetaucht in die Kämpfe dieser Endzeit erwarten wir das Entgegenkommen Gottes. Dieses Erwarten teilen die Christen mit den Juden. Die Christen glauben an ein bereits geschehenes Entgegenkommen Gottes in Jesus Christus. Doch auch sie warten auf das endgültige Entgegenkommen.

Nun geschieht dieses Entgegenkommen Gottes nicht nur im Großen eines Weltendes. Es geschieht auch im Kleinen alltäglicher Ereignisse. Es geschieht im Aufblühen der Pflanzen, im Herabsinken der Nacht und im Aufgang eines neuen Tags, es geschieht in allen Dingen dieser Welt, in allen Freuden und in allen Leiden. Es geschieht in einer Welt, die von der Zerstörung durch Menschen gezeichnet ist. Das Entgegenkommen Gottes ist die Offenbarung einer Liebe, die uns auch in den dunklen Stunden des Lebens trägt. Dieses Entgegenkommen entreißt uns der ewigen Wiederkehr des Gleichen. Die Erfahrung dieses Entgegenkommens macht alles neu, immer wieder einzigartig, wunderbar und erstaunlich.
Eine schöne Vorbereitungszeit auf Ostern hin! Gustav Schörghofer SJ