Rorate Di., 13 Dez. 06:00

Rorate Do., 15 Dez. 06:00

Bibelabend Do., 15 Dez. 19:00

Wärmestube Fr., 16 Dez. 10:00

Frauengebet Fr., 16 Dez. 10:30

Sternsingerprobe Fr., 16 Dez. 16:00

Krippenspiel-probe Sa., 17 Dez. 09:30

Rorate Di., 20 Dez. 06:00

Babytreffen Mi., 21 Dez. 09:30

Rorate Do., 22 Dez. 06:00

Bibelabend Do., 22 Dez. 19:00

Wärmestube Fr., 23 Dez. 10:00

Rorate Sa., 24 Dez. 06:00

Kindermette Sa., 24 Dez. 16:00

Wärmestube Fr., 30 Dez. 10:00

Warten können

Advent sei eine Zeit des Wartens, der inneren Vorbereitung auf eine Ankunft – so heißt es. Aber von Warten und stiller Vorbereitung kann nicht die Rede sein. Kaum sind die Weihnachtsmärkte eröffnet, und sie werden immer früher eröffnet, kaum brennen die Beleuchtungen der Einkaufsstraßen, nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Die zum Konsum animierten Scharen kommen ihrer Verpflichtung nach, den Umsatz auch dieses Jahr möglichst zu steigern. Auch heuer wird sich daran nichts ändern, obwohl die Belastungen immer höher, die Nöte spürbarer werden.
Aber wir können auch anders. Wir können tatsächlich warten. Wir können uns vorbereiten. Wir können den Lebensstil ändern, nicht das Altgewohnte einfach fortschreiben, sondern uns auf etwas Neues einlassen. Dazu wäre jetzt Gelegenheit.

Warten ist eine Grundhaltung des Lebens. Das Leben beginnt mit einer Wartezeit, neun Monate lang. Alles Neue muss erwartet werden. Ohne Warten und Erwartung würde das Leben leer werden. Wenn es nichts mehr zu erwarten gibt, ist das Leben am Ende. Worauf wird gewartet?
Ich warte auf etwas, das zwar schon anwesend aber mir noch nicht wirklich gegenwärtig ist. Das lässt sich schön vor einem Kunstwerk erfahren. Selbstverständlich ist das Bild mir vor Augen, es hängt dort an der Wand. Aber dass es mir gegenwärtig wird, dass es zu mir spricht, sich mir auftut, das erfordert eine oft lange Zeit des Wartens. Ich muss mich leer machen für die Gegenwart des Kunstwerks, frei von Vorstellungen, Informationen, Phantasien mich auf das einlassen, was hier vor Augen ist. Das gleiche gilt für die Begegnung mit anderen Menschen. Wie viel tragen wir an andere heran, Wünsche, Erwartungen, Vorurteile. Alles das muss sich auflösen, wenn ich den Anderen wahrnehmen will. Nur so kann Beziehung gelebt werden.

Wie oft verhindert der Drang, die Dinge dieser Welt zu verbessern, die Einsicht in das Wunderbare vor unseren Augen. Mit Gott ist es nicht anders. Was haben wir Gott nicht alles vorzuwerfen? Was bleibt er uns nicht alles schuldig? Was könnte er nicht alles besser machen? Aber wissen wir wirklich so gut Bescheid? Oft wird erst im Rückblick ersichtlich, dass durch die noch so großen Dunkelheiten ein geheimnisvoller Weg ins Freie geführt hat.

Ich bin vorsichtig geworden. Ich habe gelernt, zu warten und mich überraschen zu lassen. Das Warten habe ich beim Betrachten von Kunstwerken, dem Hören von Musik, in der Begegnung mit Menschen eingeübt. Warten erfordert die Treue zum Gegenüber. Freilich muss das Gegenüber auch eine Qualität besitzen, die das Warten ermöglicht. Was nur der Unterhaltung dient, besitzt diese Qualität nicht. Aber selbst in den kleinsten Dingen ist ein Wunder zu entdecken. Wie in jenem Geschehen, das aus dem Kleinsten im Leib einer Mutter Gestalt annimmt und zu einem neuen Leben heranwächst. Erwartet und mit Freude empfangen am Tag der Geburt.

Gesegnete Weihnachten! Gustav Schörghofer SJ

Was gilt?

Es gibt Menschen, die genau wissen, wie man sich zu benehmen hat. Sie kennen die Regeln und machen nichts falsch. Es gibt auch Menschen, die genau wissen, wie etwas auszusehen hat, wie zum Beispiel echte Kunst aussieht oder wirkliche Musik klingt. Sie haben ganz genaue Vorstellungen, geformt an dem, was sie gewohnt sind und als gültig anerkennen. Es gibt auch Menschen, die genau wissen, was in der Religion wahr und falsch ist. Und dann gibt es Menschen, die alles das nicht wissen. Sie wissen sich nicht zu benehmen, haben keine Ahnung von Kunst und sind ausgestoßen aus dem Kreis der Frommen. Mit denen redet man nicht. Mit denen will man nichts zu tun haben.

Ich kenne mich in einigen Bereichen verhältnismäßig gut aus. Aber je besser ich mich auskenne, desto vorsichtiger bin ich im Urteil geworden. Denn den eigenen Vorstellungen ist nicht zu trauen. Wir basteln uns Konstruktionen zurecht. Und gerade heute, in einer Epoche nach dem Ende alter Traditionen ist es besonders notwendig, vorsichtig zu sein und den Vorstellungen anderer genauso zu misstrauen wie den eigenen. Allzu leicht wird aus Befürchtungen, Vermutungen, Wünschen, Neigungen und Abneigungen ein Gedankengebäude errichtet, in dem die Wirklichkeit oder all das, was uns begegnet, Platz haben soll. Was nicht hineinpasst, das gibt es nicht. Oder es wird schlicht und einfach abgelehnt, bekämpft, verachtet.

Wir leben in Zeiten großer Verwirrung. Was gilt oder nicht gilt ist oft sehr schwer zu sagen. Die alten Gewissheiten sind zerbrochen. Neue Gewissheiten sind allzu oft verdächtig. Ja, meistens gilt: Wenn wir uns zu sehr gewiss sind, wird unser Blick eingeengt. Wir sehen nur das, was in unsere Vorstellung passt und unseren Wünschen entspricht. Aber vielleicht ist die Welt viel größer und weiter, viel zauberhafter und voller Wunder? Vielleicht hindern uns gerade unsere festen Überzeugungen daran, Neues zu entdecken, uns auf Ungewohntes einzulassen? Vielleicht kleben wir zu sehr an dem, was wir kennen, beherrschen, aus eigener Kraft bewältigen? Haben wir noch einen Sinn dafür, dass es etwas gibt jenseits unseres eigenen Vermögens? Einen Sinn für das, was der Glaube Gnade nennt. Gemeint ist damit die Tatsache, dass wir uns das Leben nicht selber schenken können, sondern dass es uns geschenkt wird. Das geschieht jeden Tag neu auf überraschende Weise. Aber entdecken werden das nur jene, die wissen, dass sie nicht aus eigenem Verdienst oder weil sie sich so gut auskennen am Leben sind, die wissen, dass sie sich die entscheidenden Dinge schenken lassen müssen. Das sind jene, die wissen, dass sie auf Barmherzigkeit angewiesen sind. Sie vertrauen sich der Aufmerksamkeit eines Gegenübers an, das sie in ihrer Schwäche und Unzulänglichkeit wahrnimmt und liebt. Der Gott der Bibel wendet sich dem von anderen Verachteten zu. Dort, wo alles zugrunde gegangen ist, macht er einen neuen Anfang. Dieser Anfang ist größer als alle noch so perfekten Konstruktionen der Selbstgenügsamen.
Gustav Schörghofer SJ

Die Schönheit des Dankes

Die Schönheit des Dankes nicht in Orchideen suchen, sondern in einem Strauß von Gänseblümchen. Sie nicht in üppigen Reden suchen, sondern im Klang eines schlichten Wortes. Sie nicht in kostbaren Gaben suchen, sondern im Unscheinbaren, dem Zeichen tiefer Zuneigung. Sie nicht dort suchen, wo aus dem Überfluss etwas abgegeben wird, sondern dort, wo liebevolle Aufmerksamkeit auch dem Kleinsten Glanz verleiht. Dort ist die Schönheit des Dankes zu entdecken, dort leuchtet sie auf.

Warum soll der Dank schön sein? Genügt es nicht, einfach formell zum Ausdruck zu bringen, dass ein erfahrenes Entgegenkommen nicht als selbstverständlich gewertet wird? Vielleicht mag es vielen genügen. Man hat einer Pflicht Genüge getan, sich für eine Einladung, ein Geschenk, einen Gruß bedankt. Doch bleibt denen, die es damit genug sein lassen, eine ganze Welt verschlossen. Welche Welt?

Wir können eine Welt erobern, an uns reißen, uns ihrer bemächtigen. Wir können durch geduldige und lange Arbeit Besitz anhäufen und ihn als Selbstverständlichkeit in Anspruch nehmen, da wir entsprechende Leistungen vorzuweisen haben. Wir werden den Besitz aufzehren, das uns Zustehende konsumieren, doch dankbar werden wir nicht sein. Der Dank geht in der Spur des Geschenks. Er wird dort erweckt, wo die Erfahrung des unverdienten Entgegenkommens gemacht wird. Der Dank ist eng mit den Erfahrungen von Kindern verbunden. Denn sie sind auf das Entgegenkommen anderer angewiesen. Die Erwachsenen wissen sich selber zu helfen. Das lässt den Dank erlahmen. Doch wer sein Leben mit anderen teilt, weiß oft nicht mehr, wie sich selber helfen. Er oder sie ist auf das Entgegenkommen anderer angewiesen. Und damit erschließt sich eine andere, eine neue Welt.

Es gibt die Welt der Aufmerksamen. Es gibt die Welt derer, die ohne die Anderen nicht leben wollen. Es gibt die Welt derer, die bereit sind, immer neu zu beginnen, zu verzeihen, die sich nicht von der Last der Erfahrung die Lust am Entdecken nehmen lassen. Es gibt die Welt derer, die Tag für Tag Gegebenheiten und Ereignisse als Geschenk zu erkennen wissen, die in allem ein großes Entgegenkommen wahrzunehmen wissen. Ihnen erschließt sich die Welt in einer wunderbaren Schönheit. Und in ihnen wird der Sinn dafür wachgerufen, dass sie selber dazu berufen sind, diese Schönheit zu hüten und zu mehren. Ihr Dank wird schön sein. Die Schönheit des Dankes ist in der Hingabe des Lebens begründet. Sie wird in kleinen Gesten des Alltags gelebt, im beruflichen Können, in Geduld und unermüdlichem Bemühen, in der Eleganz des Benehmens und im schlichten Geschenk eines Kindes. Den großen Gesten ist zu misstrauen. Die Schönheit der Hingabe und die Schönheit des Dankes zeigen sich im Unscheinbaren.

So werden wir auch in dieser erschütterten Welt leben. Gustav Schörghofer SJ

Neu und schön

Das Morgenjournal in Ö1 ist eine hörenswerte Sendung. Aber schön langsam wird es mir zu viel. Jeden Morgen wird eine jeweils neue Variante der alten Misere präsentiert. Immer öfter wechsle ich zu Johann Sebastian Bach. Orgelmusik. Die Canzona in b BWV 588 oder das mächtige Orgelstück BWV 572 oder gar die Passcaglia in c BWV 582. Und das immer wieder. Auch eine Wiederholung. Aber nicht die Wiederholung der alten Misere, sondern immer neu die Erfahrung von etwas anderem. Es ist keine Weltflucht. Diese Musik drückt mich in die Welt hinein. Es ist eine Welt, die des Neuen fähig ist. Das suche ich.

Das gibt es nämlich, dieses Neue, den neuen Anfang. Auch in der Kirche gibt es das, die Taufe ist ja gerade die Feier eines neuen Anfangs, einer neuen Geburt. Sicherlich werde ich dieses Neue nicht erfahren, wenn ich mich immer neu in die alte Misere vertiefe. Aber wie kann ich es erfahren? Das Hören der Orgelmusik von Johann Sebastian Bach allein genügt ja doch nicht.

Von Jesus habe ich mir zwei Weisen abgeschaut, wie ich für das Neue offen sein und wie ich selber mitwirken kann, dass es sich zeigt. Zum einen ist es das Entgegenkommen, zum anderen die Entdeckung. Um es genauer zu sagen, es ist ein Entgegenkommen in Schönheit und das Entdecken der Schönheit im Anderen.

Die Schönheit wird in der katholischen Kirche sehr unterschätzt. Mehr noch, sie wird nicht wirklich gepflegt und nicht in ihrer Bedeutung anerkannt. Wer aber die Evangelien liest, wird entdecken, dass Jesus einen feinen Sinn für Schönheit hatte. Mehr noch, er hat andere auf vielfache Weise gelehrt, Schönheit zu entdecken. Beides zeigt sich in den Gleichnissen vom Himmelreich (Mt 13) und in vielen anderen Erzählungen Jesu genauso wie in seiner Art und Weise, menschliches Verhalten zu interpretieren (etwa in Mt 26, 6-13). Was heißt es aber, einem anderen in Schönheit entgegenzukommen? Die notwendige Voraussetzung dafür ist, sich aller äußerlichen Macht, sei sie materiell, politisch oder durch Privilegien bedingt, zu entledigen. Es gibt eine Schönheit, die aus Glauben, Hoffnung und Liebe hervorgeht, das Leuchten einer geistigen Schönheit, das sich auch in der Leiblichkeit zeigt. Sie zeigt sich im Verhalten denen gegenüber, die unter Machtmissbrauch zu leiden haben, und im Verhalten denen gegenüber, die Macht missbrauchen. Diese Schönheit schafft einen für alle offenen Raum.

Ein Entgegenkommen in Schönheit lehrt auch, die Schönheit im Anderen zu entdecken. So entstehen Orte der Schönheit. An der Art und Weise, wie Menschen, Tiere, Pflanzen, Dinge behandelt werden, ist gut zu erkennen, ob dort dieser Geist des Entgegenkommens weht. Und wo er weht, dort geschieht das Neue, dort gibt es den neuen Anfang, die neue Geburt. Das Neue ist an der Schönheit zu erkennen und der Blick für die Schönheit entdeckt das Neue.

Wagen wir das Neue und Schöne! Gustav Schörghofer SJ

Warum?

Warum verlässt jemand sein kleines Paradies, eine Welt, in der er glücklich sein konnte, alles hatte, Wohlstand, Schönheit, liebevolle Beziehungen? Was veranlasst jemand dazu, über die Grenzen der eigenen und vertrauten Welt hinauszugehen, sich auf Unbekanntes, Gefahren, mögliches Scheitern einzulassen? Warum sollte sich ein Hochbegabter um durchschnittlich Begabte bemühen? Diese Fragen beschäftigen mich. Irgendwann ist mir klar geworden, dass die Menschwerdung Gottes nichts Anderes ist als die Antwort auf all diese Fragen.

Warum wird Gott Mensch? Warum verlässt er seinen Himmel, sein Paradies, in dem er alles hatte? Warum ist er so wahnsinnig, sich auf diese Welt mit all ihren Mühen und Plagen, ihrer Gemeinheit und Hinterhältigkeit, ihrer Niedrigkeit einzulassen? Warum wird er Mensch? Im Exerzitienbuch des Ignatius von Loyola gibt es die Betrachtung der Menschwerdung. Der Übende soll sich die Dreifaltigkeit auf ihrem Thron im Himmel vorstellen, wie sie auf die Erde schaut und wahrnimmt, dass alles zu Hölle fährt und dann beschließt, dass die zweite Person Mensch wird. Als Vierundzwanzigjähriger habe ich von dieser Betrachtung nichts gewusst. Was mich aber nicht losgelassen hat seit damals ist, dass sich Gott das antut. Damals ist mir klar geworden: Wenn sich Gott so verhält, dann kann ich nicht in meinem kleinen, schönen Reich bleiben, dann muss auch ich mich aufmachen.

Was bringt mich dazu, mich über die Grenzen meiner Welt hinauszuwagen? Die Gründe können verschiedene sein. Ein Grund, und wie ich denke der entscheidende, ist die Liebe. Wenn ich diesen Weg aus dem Eigenen hinaus in die Welt hinein und auf die Menschen zu aus Liebe gehe, dann wird sich mir eine neue Welt auftun. Dann wird sich die Welt ins Wunderbare hinein verwandeln. Unsere Liebe buchstabiert die Liebe Gottes nach, ein bisschen so, wie der Volksschüler den Worten eines großartigen Gedichts buchstabierend folgt. Aber nach und nach geht uns auf, dass wir am Rande eines Meeres stehen, dass uns von weit her Mächtiges anhaucht, dass wir mit unseren Gedanken, Worten und Werken an Großes und Geheimnisvolles rühren.

Überall dort, wo Menschen aus sich herausgehen, auf andere zugehen, sich Anderem öffnen, klingt die große Melodie der Hingabe Gottes an diese Welt an. Oft geschieht das in kleinen Gesten, Aufmerksamkeiten im Alltäglichen. Es geschieht in der sorgfältigen Ausübung eines Handwerks, in der Pflege bedürftiger Menschen, im Bemühen von Lehrerinnen und Lehrern, im Tun von Künstlerinnen und Künstlern, im Musizieren, in tausend Dingen. All das verwandelt die Welt und hält unsere Gesellschaft zusammen. Und in all dem ist etwas Großes zu ahnen, das von weither kommt und ganz nahe ist, eine stille und mächtige Liebe.

Einen schönen Sommer! Gustav Schörghofer SJ