Wärmestube Fr., 22 Jan. 10:00

Gottesdienst zuhause vom 3. Sonntag im Jahreskreis, 24. Jänner 2021 So., 24 Jan. 10:00

Gedanken So., 24 Jan. 00:00

Wärmestube Fr., 29 Jan. 10:00

Wärmestube Fr., 5 Feb. 10:00

Wärmestube Fr., 12 Feb. 10:00

Wärmestube Fr., 19 Feb. 10:00

Wärmestube Fr., 26 Feb. 10:00

Wärmestube Fr., 5 März 10:00

Wärmestube Fr., 12 März 10:00

Wärmestube Fr., 19 März 10:00

Wärmestube Fr., 26 März 10:00

Liebe Pfarrgemeinde!

Aufgrund des verlängerten Lockdowns gibt es weiterhin keine Gottesdienste und Veranstaltungen in der Pfarre.
Die Wärmestube findet jeden Freitag von 10:00 bis 16:30 Uhr statt.
Über Veränderungen informieren wir Sie laufend auf der Homepage und in den Schaukästen.
Das nächste Mitteilungsblatt erscheint am 28. Jänner 2021.

Eine ziemliche Enttäuschung

Merkwürdig ist es schon. Wenn wir die Sache einmal nüchtern betrachten, hätten die Ankündigungen weit Größeres erwarten lassen. Mehr Aufsehen in der Öffentlichkeit, mehr Aufwand in der Realisierung, mehr Professionalität in Planung und Ausführung. Statt dessen ist das alles ziemlich unauffällig vor sich gegangen. Nur ein paar Spezialisten haben Wind davon bekommen. Und natürlich auch die zufällig anwesenden Neugierigen. Irgendwie schade. Man hätte das Ganze schon besser aufziehen können. Die Sache hat ja wirklich ein Potential, das Zeug zu etwas ganz Großem. Wenn man sich das vorstellt: Menschwerdung Gottes! Das gehörte eigentlich ganz anders inszeniert. Stattdessen ist von Anfang an etwas schief gelaufen. Diese Geburt, dann langes Schweigen, dann ein ärmlicher öffentlicher Auftritt. Keine Elefanten, keine Aufmärsche, kein Glanz, kein Pomp, nicht einmal schnaubende Pferde, von Marschmusik gar nicht zu reden. Unterm Strich eigentlich, wenn man ehrlich ist, eine ziemliche Enttäuschung.

Enttäuschend ist ja auch dieses Weihnachten. Ja, das ganze Jahr ist eine Enttäuschung: für den Handel, für die Gastronomie, für den Tourismus, für die Kulturschaffenden, für die Kinder und die Jugendlichen, für viele Menschen. Nachdem immer soviel gearbeitet wird, so viel in die Verbesserung des Systems investiert wird, Zeit und Geld und Wissen und Engagement, da hätten wir wirklich etwas Besseres verdient.

Reduktion und Distanz sind die Leitwörter für den Alltag. Reduziert werden muss überall. Kontakte müssen reduziert werden, Einkäufe, Vergnügungen, Ansprüche auf Alltäglichkeiten. Wir gehen auf Distanz. Beides, die Reduktion und die Distanz, werden sehr oft negativ erfahren. Aber sie könnten ja auch etwas Positives haben. Vielleicht geht mir, wenn ich die Fülle des scheinbar Notwendigen und schon längst zur Selbstverständlichkeit Gewordenen reduziere, auf, was für mich wirklich von Bedeutung ist? Vielleicht merke ich, wenn ich mich von all dem freimache, was Tag für Tag auf mich einprasselt und sich an mich herandrängt, was in mir am Leben ist und sich entfalten will? Es könnte ja sein, dass Reduktion und Distanz einen ganz neuen Zugang zum Leben, zur Welt ermöglichen. Dass ich mit gesammelter Aufmerksamkeit und Hingabe das tue, was mir wichtig ist, nicht einfach das, was andere mir als wichtig aufdrängen.

Vielleicht wäre das gar nicht so schlecht. Mir fällt auf jeden Fall auf, dass Gott in seiner Menschwerden genau auf das gesetzt hat: Reduktion und Distanz. Dann sind nämlich konzentrierte Aufmerksamkeit und hingebungsvolle Nähe möglich. Anscheinend ist es gerade auf das angekommen. Das könnte ja auch noch heute gelten, denke ich mir.

Wache Sinne für die stille Zeit! Gustav Schörghofer SJ

Heuer ist alles anders
Lassen wir einmal die Kekse weg. Dann auch die Lebkuchen. Und das Früchtebrot, den Bozner Zelten. Lassen wir den Karpfen weg, Würstel und Glühwein, Punsch und heißen Tee, Früchtetee oder Tee mit Rum. Lassen wir auch die Schokolade weg, die Mehlspeisen aller Art. Die Datteln lassen wir auch weg, und die Mandarinen, die Orangen, die Nüsse. Ja, und auch die Düfte, diesen Geruch von Zimt und Weihrauch, von heißen Kastanien und frisch Gebackenem. Lassen wir auch den Baum weg, zusammen mit Kerzen und Lametta und allem, was an ihm hängt. Keine Sterne aus Stroh oder Blech, keine Engel aus Holz, Papier oder was sonst. Und dann lassen wir auch gleich die Geschenke weg, die Maschen aus bunten Bändern, die Verpackungen, die Schachteln mitsamt dem, was sie als Verheißung enthalten. Das lassen wir alles weg. Auch keine Glückwünsche, weder schriftlich noch mündlich, endlich keine Glückwünsche mehr, keinen Zwang, allen alles Gute zu wünschen, eine Flut von Karten, Botschaften, schriftlich, mündlich, gedruckt, mit der Hand geschrieben, gestempelt, abgeschaut von anderen oder selbst ersonnen. Nichts mehr von dieser Pandemie der Glückwünsche, dieser unaufhaltsamen Verpflichtung, doch allen alles Gute zu wünschen zu Weihnachten. Und kein Einkaufen mehr, keine Hetzjagd mit Listen, die doch nicht zu erledigen sind, immer mit dem unguten Gefühl, dass irgendjemand vergessen wurde, irgendjemand übersehen worden ist, irgendjemand enttäuscht werden könnte. Nein, keine Großtanten, keine Nichten, keine Großeltern und Urgroßeltern, keine Neffen und Patenkinder mit all ihren geheimen und offenen Wünschen, ihren Erwartungen, auch keine Familienangehörigen, die sich Weihnachten nur so vorstellen, wie es immer gewesen ist, wie sie es nun einmal gewohnt sind. Nicht dieser Zwang, freundlich zu sein, zu lächeln und gute Laune zu verbreiten, dieser Zwang zum Glück. Lassen wir das weg. Und dann auch nicht diese Krippen mit ihren Engeln und Schafen, mit Hirten und Herden und all dem, was sich die Phantasie um ein im Stall liegendes Neugeborenes alles zusammenreimt. Lassen wir auch die Weihnachtsmusik weg, dieses immer gleiche Geleier in den Dezembertagen, in Kaufhäusern, auf der Straße, zu Hause. Lassen wir einmal all das weg, was Weihnachten immer ausgemacht hat, was es so gemütlich, so beglückend, so heimelig gemacht hat. Lassen wir all das weg.
Was bleibt?
Stille, Nacht.
In dieser Stille, in dieser Nacht ist etwas geschehen und geschieht noch immer. Etwas, das in all dem Lärm, den wir erzeugen, nicht mehr zu hören, in all dem Licht, das wir anzünden, nicht mehr zu sehen ist.
Vielleicht ist es gut, in diesem so besonderen Jahr vieles wegzulassen. Um besser zu hören, besser zu sehen, um besser wahrzunehmen, was im Stillen und im Dunklen entgegenkommt.
Heuer ist ja alles anders.
Gesegnete Weihnachten! Gustav Schörghofer SJ

Zeiten des Übergangs

Wir leben in Zeiten des Übergangs. Wohin führt dieser Übergang? Werden unsere Welten geistiger, weil sie vom Körperlichen immer mehr loskommen? Im Zentrum des Christlichen steht die Menschwerdung Gottes: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“. Das Eingehen in Gott bedeutet für Christinnen und Christen das Eingehen in die Welt, in das Fleisch und Blut des Körperlichen. Die Nähe zu Gott ist ohne physische Nähe zur Welt, zu den Menschen nicht zu finden. Wenn in der Messe das Entgegenkommen Gottes vergegenwärtigt und gefeiert werden soll, muss die Gemeinde gemeinsam mit dem Priester physisch präsent sein. Die Feier der Messe muss öffentlich geschehen, da niemand, der zur Gemeinschaft der Glaubenden gehört, von ihr ausgeschlossen werden kann.
Ich kann daher keine Messe hinter verschlossenen Türen feiern. Wenn die öffentliche Feier der Messe nicht möglich ist, verzichte ich auf die Feier. Ich verzichte gemeinsam mit der Gemeinde. Der Verzicht ist schmerzlich, da die Messe den Kern dessen bildet, was die Gemeinde lebt und bekennt. Hier wird das Entgegenkommen Gottes erfahren, um aus dieser Erfahrung hinauszugehen und an der Verwandlung der Welt in Gott hinein mitzuwirken. Aus der Feier der Messe kommt Kraft und Bestärkung. Doch unseren Dienst in der Welt und für die Welt können wir auch ohne diese Feier tun.

Es ist, als tauchten wir ein in ein großes Schweigen. Ich denke an den wunderbaren Roman von Shusaku Endo, „Schweigen“. Ich denke auch an die Stille, die in zeitgenössischer Musik zu erfahren ist, eine gestaltete Stille. Oder an das Schweigen, das in Kunstwerken Gestalt annehmen kann. Frühere Jahrhunderte der europäischen Kultur waren beredt. Was wussten sie nicht alles von Gott und den Heiligen zu erzählen. So laut das vergangene Jahrhundert und unsere Gegenwart erscheinen mögen, in gewisser Hinsicht ist es doch merkwürdig still geworden. Schweigt Gott? Oder spricht er eine Sprache, die wir noch nicht verstehen. Das Wort ist Fleisch geworden. Wir sind vielleicht noch zu wenig Fleisch geworden, um dieses Wort zu verstehen.

Die Wärmestube, die sozialen Dienste der Pfarre, die Hilfen für Menschen, die es schwer haben im Leben, die Aufmerksamkeit für Andere, für Einsame und Glückliche, für Traurige und Lebensfrohe, für Bedrückte und Heitere, für Schwache und Starke, die Gestaltung des Raumes der Konzilsgedächtniskirche und seines Schweigens, das stille Verweilen in diesem Raum, die Freude und Dankbarkeit für die aufmerksame Gegenwart so vieler Menschen: all das sind Hilfen, um gemeinsam mit Gott Fleisch zu werden und jenes Wort verstehen zu lernen, das uns Tag für Tag im Stillen zugesprochen wird.


Einen gesegneten Advent! Gustav Schörghofer SJ

Warum in die Kirche gehen?

Unsere Körper sind, wie es die Künstlerin Barbara Kapusta einmal genannt hat, „leaky bodies“. Sie sind löchrig, leck, durchlässig wie ein Sieb. Es gibt ein Innen und ein Außen, beide kommunizieren miteinander in einem ständigen Austausch. Es gibt Körperfremdes, das mit dem Körper in einer nicht zu lösenden Gemeinschaft verbunden ist, Maschinen in unserem und an unserem Körper. Wir sind auf vielfache Weise vernetzt, eingebunden in große Zusammenhänge. Wir kommunizieren über große Distanzen miteinander. All das weitet unser Bewusstsein und unsere Macht im Zugriff auf die Welt ungeheuerlich aus. Ein Leben ohne diese Maschinen können wir uns vielleicht gar nicht mehr vorstellen.

Doch ist ein Unterschied im Kommunizieren auf Distanz, wie es Maschinen möglich machen, und im Kommunizieren von Körper zu Körper, Haut zu Haut, durch Berührung, durch unmittelbares Wahrnehmen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten. Es ist ein Unterschied, ob ich mit anderen im selben Raum versammelt bin oder an einer Videokonferenz teilnehme. Eine Messe, von einer Gemeinde im Raum der Kirche gefeiert, ist etwas anderes als eine Messe, die von einem Priester allein in einem Saal gefeiert wird, während andere vor ihren Bildschirmen sitzen und via Livestream teilnehmen. Worin besteht der Unterschied? In der Distanz. Das gleichzeitige Versammeltsein im selben Raum wird aufgebrochen in eine Menge von unterschiedlichen Räumen. Eine Versammlung von Menschen, die sich im selben Raum als Gemeinschaft erfahren, zersplittert in eine Ansammlung von Individuen, die separiert voneinander manipulierbar sind. Eine Gemeinschaft von Menschen eröffnet einen eigenen Horizont. Der Horizont des Vereinzelten wird ihm von den Medien vorgegeben.

Es macht daher einen wesentlichen Unterschied aus, ob ich mich mit anderen in einem Raum versammle, um Musik zu hören, Messe zu feiern, der Aufführung einer Oper, eines Schauspiels beizuwohnen oder eine Feier zu begehen. Ich trete aus dem Raum der Manipulierbarkeit durch fremde Vorgaben in einen Raum der Freiheit, der mir von anderen Menschen eingeräumt wird. Selbstverständlich kann auch im physischen Raum manipuliert werden, doch kann ich mich dieser Manipulation leicht durch Raumwechsel entziehen. Der Sinn des gemeinsamen Hörens, Sehens, Erlebens im selben Raum, wie sie durch Musik, Gesang, Sprache bei einer Messe wie in einem Konzert geschenkt werden, ist aber, einen Raum der Freiheit zu erschließen. Dieser Raum muss physisch erfahren werden, er kann nicht virtuell hergestellt werden. Er erfordert die physische Anwesenheit, die Gegenwart der Körper im selben Raum. Die gemeinsame Feier stellt hohe Ansprüche, sie ist aber ein hohes Gut, das gepflegt werden muss, um der Freiheit Raum zu schaffen. Daher ist es wichtig, dass wir uns versammeln, um als Einzelne im Hören, Sehen, Riechen, Schmecken, Tasten zur Gemeinschaft und zu einer Freiheit zu finden, die uns geschenkt ist und die wir uns gegenseitig zu schenken imstande sind.

Gustav Schörghofer SJ