Motivation aus der Bibel

Ich hoffe, dass uns alle die Bibel motiviert. Aber haben Sie auch ein Evangelium oder einen Vers, der Sie ganz besonders anspricht und vielleicht sogar ins Tun führt? Habe Sie ein Wort, dass Sie schon über längere Zeit begleitet? Ich habe da eine ganz Reihe von Texten und Versen. Nicht alles passt für jeden Lebensabschnitt. Wir wandeln uns und da verwundert es nicht, wenn wir immer wieder neu und von anderen Versen angesprochen werden. Vielleicht haben Sie auch eine Perlenschnur von wertvollen Schätzen.

Ich zeige Ihnen einige Abschnitte meiner Perlenkette. „Er nahm sie zur Frau und gewann sie lieb.“ Die Väter und Mütter im alten Testament wurden verheiratet und doch gewannen sie sich lieb. Manchmal kann sich etwas Gutes ergeben, auch wenn es aus Notwendigkeit begonnen hat. Man muss sich dann redlich mühen. Diese Stelle passte auf mein Promotionsthema.

Mich rührt immer noch an, wie Elias den Herrn im Hauch erkannte nach all der Darstellung göttlicher Macht. Rund um diese Zeit fing ich an den Engel des Herrn zu beten. Schnell modifizierte ich den zweiten Abschnitt und ließ den Teil „Maria sprach“ weg. Dann heißt es nämlich „Siehe ich bin die Magd des Herrn, …“ Das veränderte das Gebet für mich. Direkt anschließend habe ich dann den Jona entdeckt. Er will nicht. Er ist berufen zum Propheten und flieht. Schweren Herzens gibt er sich darein. Ich glaube, dass keine der biblischen Figuren sich in die Rolle gedrängt hat, die sie/er dann angenommen hat.

Mein Primizspruch ist die Weihnachtsbotschaft des Engels. Eine Entdeckung für mich, als ich noch gerungen habe, ob ich vielleicht doch lieber Bruder bei den Jesuiten sein sollte.
Das war eine kleine Auswahl. Es gibt noch mehr und manches bleibt privat. Ich bin sicher, dass Sie auch etwas in Ihrem Leben finden. Aber geht so etwas auch als Gemeinschaft? Ja, das geht! Also was könnte uns als Pfarre motivieren für den ersten gemeinsamen Abschnitt mit unserer Nachbarpfarre?

Was mich motiviert, weiß ich schon – zumindest heute. Es ist der Fluss, der aus dem Tempel kommt. Schauen sie mal bei Ezechiel 47 nach. Wenn ich ihnen jetzt erkläre, was mich daran fasziniert, dann ist der Zauber vorbei. Gehen Sie in einer ruhigen Stunde entlang dieses Bachs auf Entdeckungsreise. Vielleicht suchen Sie auch woanders, aber suchen Sie etwas, dass Sie motiviert an der Pfarre mitzubauen. Gelegenheiten gibt es reichlich.
Nach dem Kirtag in Lainz wollen wir ein großartiges Fest in Hubertus am 16. Juni feiern; Messe in den Kolonaden, Fortbewegungsmittelsegnung, Speis und Trank.

Glück auf!
Ihr P. Stefan Hengst SJ

MAI MARIA

Ich bin nicht kirchlich sozialisiert aufgewachsen.
Die Außenwelt hielt mich lange von Maria fern, und in Anlehnung an Worte von Augustinus wage ich heute zu sagen: Du Maria, brachst meine Taubheit. Du schlugst meine Blindheit in die Flucht. Ich schöpfte Atem zu dir hin. Du berührtest mich und ich entbrannte in deinen Frieden…
Maria bricht aus im Magnificat, das von einer Bewegung singt und betet, die eher eine Revolution meint: Er stürzt die Mächtigen vom Thron …
Auch später – so scheint es mir – bleibt die Marienfrömmigkeit anarchisch; nicht zu zähmen.
Und bis heute bleibt in der Marienfrömmigkeit eine Erinnerung an die große Mutter Erde, ja die weibliche Seite Gottes bleibt gewahrt.
Das Marianische ist für mich heute das Zeichen der großen, ja der größten aller dem Menschen möglichen Hoffnung.
Feiern wir nicht bei jedem Fest der Gottesmutter Maria die Erinnerung und Beziehung zur Mutter Jesu und glauben und freuen uns d a r ü b e r, dass Gott einen neuen Anfang gesetzt hat? Und zwar einen Anfang, der uns nicht nur an diesem je besonderen Tag, sondern an jedem Tag unseres Lebens dazu einlädt, neu zu beginnen?
Wir freuen uns darüber, dass Gott diesen Anfang ganz unten ansetzt; nicht im Kaiserhaus in Rom, nicht in der Königsburg des Herodes, sondern irgendwo auf dem Lande, in einem irgendwie so vergessenen Winkel der Heilsgeschichte, dass uns die Erzählungen wie Märchen vorkommen.
Eine einfache junge Frau aus dem Volk…vertraut bis zur Verwegenheit: das unverdorbene Konzept Gottes vom Menschen leuchtet auf mit Maria…bricht durch…ist nie mehr auslöschbar…
Sie lernt in all ihren Erfahrungen den Weg nach innen, alles was geschieht im Herzen zu bewahren, dort zu erwägen u n d darüber nach zu denken, zu STAUNEN über einen Gott…wie es der Psalm 139 ausdrückt…„der mich von allen Seiten umschließt und der seine Hand auf mich legt...“
Gott, Vater – ist auch Mutter…nur das Zärtlichste und Persönlichste im Menschen kann das ansatzweise beschreiben: einen Gott, der sich in seinem Sohn von einer irdischen Mutter umschließen und berühren ließ, damit er uns alle zärtlich berühre und zutiefst bewege…
… das wird Maria nicht mehr vergessen: immer wieder nahm sie auf, was sie erlebte, was sie sah…nahm auf, was sie hörte; sie registriert nicht nur: sie bewegt es im Herzen und denkt darüber nach, sucht Zusammenhänge, erkennt Linien, kann Rätselhaftes stehen lassen, weil das ja andere auch immer wieder erlebt haben in der langen Geschichte ihres Volkes…
Die Gnade ist stärker als alle Schwerkraft…eine junge Frau…Mirjam/Maria…sagte ja…mir geschehe…ich vertraue: der Weg einer langen Reise beginnt…für Maria…für die Menschheit…
Ist mit Maria…eine neue Zeit angebrochen?…die mehr erinnern will an den Segen des Anfangs, an das Staunen: Unsere Seele braucht das Staunen…das immer wieder erneute Freiwerden von Gewohnheiten, Sichtweisen, Überzeugungen, die sich wie Fettschichten, unberührbar und unempfindlich, um uns lagern…
Wir brauchen ein Berührt werden vom Geist des Lebens…
Peter Fritzer SJ


Liebe Freunde und Freundinnen unserer Pfarre,

wenn Sie diesen Text lesen, ist die Osterzeit bereits angebrochen. Die Kartage, der Ostermorgen ist gefeiert. Geschrieben habe ich diese Gedanken noch in der Fastenzeit, in den 40 Tagen in denen wir uns um Verzicht und verstärkte Achtsamkeit bemühen, damit das Osterfest mit aller Festlichkeit und frohem Herzen begangen werden kann. Fast zehn Prozent des ganzen Kirchenjahres stehen unter diesem Gedanken der Umkehr! Danach folgen sogar 50 Tage der Freude über die Auferstehung und so öffnen sich unsere Herzen (und unser Verstand) für die Geistkraft Gottes, wir feiern Pfingsten. Aber gilt das wirklich für mein persönliches Leben? Ist das Christsein für mich die tragende und befreiende Kraft? Oder begnüge ich mich mit dem, was die erwachende Natur uns schenkt und der Osterhasensuche im Familienkreis. Reichen mir diese liebgewordenen Traditionen rund um Ostern?

Gegen all das ist gar nichts einzuwenden, doch, entspricht es der Intensität der Erfahrung der Auferstehung? Die ersten Christ:innen haben Jesu Auferstehung als unüberbietbaren Eingriff Gottes in die gesamte Wirklichkeit empfunden. Weil diese eine neue Wirklichkeit schafft, in deren Licht wir leben dürfen. Als "Protestleute gegen den Tod" (Christoph Blumhardt), dieser begegnet uns ja nicht erst beim eigenen physischen Sterben. Er regiert überall da, wo Kommunikation abbricht, Ungerechtigkeit herrscht, Hass und Schweigen das Leben vergiften. Und es gibt eine Erfahrung von Auferstehung vor dem Tod, wenn Menschen wach und lebendig miteinander und füreinander leben. Das hat man den ersten Christen und Christinnen auch deutlich angemerkt: "Ich lebe und ihr sollt auch leben!" hat Jesus gesagt. Das trifft und tröstet mich. Das verändert mein Leben vor dem Tod und mobilisiert mein Hoffen über den Tod hinaus. Das zeigt mir die Empathie Gottes; dadurch erfahre ich, dass Gottes Zusage hält.

Als Getaufte sind wir alle gut ausgestattet. Es gibt nicht den gebildeten, geheiligten Klerus und die unwissenden Laien, alle sind erfüllt von der Gnade Gottes. Es geht darum unser aller Potential einzubringen und zu Botschafter:innen von Ostern zu werden. Die Welt braucht engagierte Christen und Christinnen, die bereit sind von ihrem Glauben Zeugnis zu geben, die jungen und suchenden Menschen gute Vorbilder sind, die mit ihrem Leben, Taten und Worten Auferstehung bezeugen. Es gibt ganz unterschiedliche Weisen als Getaufte in dieser Welt zu leben. Mich hat die Suche auf den Weg als Diakon gebracht. Wohin hat sie dich gebracht? Bist du noch auf der Suche?

Ihr Diakon Peter F.

Liebe Alle,
ist das eigentlich die richtige Anrede? Die Anrede hat etwas damit zu tun, wie wir uns selber sehen. Was fällt uns ein, wenn wir an die Pfarre Lainz Speising denken. Woran denken Sie? Eine Pfarre, eine Kirche, die Sonntagsmesse, Musik, Liturgie, Angebote? Was fehlt in dieser Liste? Die Menschen, die die Pfarre ausmachen! Je nachdem welchen Blick wir auf das Ganze haben sind es dann die Mitchristen*innen, Pfarrmitglieder, Gottesdienstbesucher*innen, Freunde und Freundinnen, Bekannte, oder eben „liebe Alle“.
Für mich hat die Pfarre Lainz Speising etwas mit den Menschen zu tun, die ich dort treffen kann. Messen werden viele in unserem Bezirk gefeiert. Musikangebote gibt es auch. Vielleicht sitzen Sie immer an der gleichen Stelle. Dann werden Sie vielleicht schon ihre Nachbarn in den Bänken kennen. Man nickt sich zu und freut sich, in vertrauter Umgebung zu sitzen. Vielleicht haben Sie auch eine feste Messzeit, dann können Sie auch relativ sicher sein, wie die Messe gefeiert wird. Ich glaube, wir sind alle mehr oder weniger Gewohnheitstiere. Abwechslung ist gut, Tradition und Stabilität sind aber auch nicht zu verachten.
Eine Pfarre hat viele Traditionen, die leben, weil sie gelebt werden. Gelebt von Menschen, die dafür etwas tun. Manche Traditionen tun sich schwer in die nächste Generation, oder auch in die geänderten Zeiten hinüberzugehen. Bei anderen ist es leichter. Es sind aber immer die Menschen, die sie tragen. Wir sind in Lainz gesegnet mit sehr vielen Menschen, die sehr viel ehrenamtlich machen. Und das schöne ist, dass es wirklich durch alle Altersstufen hindurchgeht. Wir haben die jugendlichen Jungscharführer*innen und dann ist da auch die liebe Seniorin, die die Altarwäsche bügelt. Manche engagieren sich bei Festen und Events und andere erfüllen einen regelmäßigen Dienst. Dank euch allen.
Eine Gruppe habe ich bisher ausgespart. Das sind alle, die die Angebote nutzen. Wir alle, die wir kommen, wenn es etwas zu feiern gibt, wenn wir Messe oder eine Andacht feiern. Wenn die Jungschar zur Gruppenstunde ruft, oder das Geburtstagsjausenteam sich über Geburtstagskinder freut, die sich verwöhnen lassen. Jesus erzählt einmal, dass Kinder Freudenlieder gesungen haben, aber keiner hat sich gefreut. Alle Aktionen laufen ins Leere, wenn keiner kommt. Daher mein aufrichtiger Dank an alle, die kommen und alle die vorbereiten. Das macht Gemeindeleben aus. Schön wird es meistens, wenn man nicht fürchten muss, die oder der Einzige zu sein.
Manchmal muss man sich selbst einen Schubs geben. Und wenn das einige machen, dann ist man schon eine kleine Gruppe und dann wird es schön. Die Fastenzeit mit ihren Angeboten kann ein Moment sein, das eine oder andere Angebot anzunehmen. Ihnen wird es Freude bereiten, anderen bereiten Sie eine Freude und den Traditionen hauchen Sie Leben ein. Das ist Gemeindeleben.
Eine Tradition möchte ich Ihnen heute besonders ans Herz legen. Nachdem wir in der Fastenzeit geübt haben, lassen wir alle zusammen die Osternacht bei einem gemeinsamen Frühstück ausklingen. Fühlen Sie sich also jetzt schon eingeladen, auch wenn wir noch mitten in der Fastenzeit sind. Bringen Sie noch jemanden mit. Kommen Sie mit neuen Menschen ins Gespräch und genießen Sie Kaffee, Osterpinzen, Osterschinken und Gemeindeleben.

Liebe Alle, wir sehen uns spätestens zu Ostern!
Glück auf! Ihr P. Stefan Hengst SJ

Das Leben gut sein lassen

Was haben der Pfarrball und die Wärmestube gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Hier elegante Menschen, Make Up, Parfum, Krawatten, Stöckelschuhe, Sektgläser, aufgeräumte Stimmung. Dort manch plumpe Gestalt, schlechte Zähne, abgetragene Kleidung, Quadratlatschen, Eintopf und, aber ja: auch oft aufgeräumte Stimmung. Hier wie dort verbringen Menschen möglichst gute Zeit miteinander, man isst und trinkt, man plaudert, scherzt und lässt das Leben gut sein. Hier gibt es viel mehr Geld, dort vielleicht viel mehr Sorgen, aber die Grenzen sind fließend.
Was Pfarrball und Wärmestube aber noch gemeinsam haben: Beides sind Projekte, die nur deshalb das Licht der Welt erblicken, weil sich ein großes Netzwerk von Menschen umeinander bemüht. Es ist Kreativität notwendig, es entsteht Nähe, es haben Personen miteinander zu tun, die sonst nie miteinander ins Gespräch kommen würden. Es geht um detaillierte Planung, um Trouble-Shooting, um unzählige Mails und Telefonate, die ausgetauscht werden. Ein Coaching-Guru, den ich unlängst gehört habe, vertritt die These: Es gibt nur zwei Gründe, warum Menschen etwas tun - aus Angst oder aus Liebe. Alles, was Pfarrball, Wärmestube und viele Aktivitäten der Pfarre verwirklichen lassen, hat – um nicht immer das große Wort Liebe zu bemühen – mit Zuneigung zu tun, mit dem Wunsch, füreinander gutes Leben zu gestalten.
Wenn Erna die Wärmestuben-Tische mit Blumen schmückt, wenn Anna hundert Krautrouladen wickelt, wenn Christl die HelferInnen aus den Schulen betreut, Martha und Karli Woche für Woche Gebäck anliefern, Susi und Christian ein neues Team managen und Heinz seine MithelferInnen mit Sekt versorgt, dann ist das viel mehr, als zu erwarten wäre. Dann lässt das das Leben gut sein. Christoph hat in ungezählten Stunden die Balldeko gemalt, Stefan die Tischkärtchen designt, Birgit die Ballspende kreiert, Jörg Kisten mit Getränken herangekarrt, die Pfarrjugend mit Anna eine zauberhafte Eröffnung einstudiert und mit Tobias eine ebensolche Mitternachtseinlage hingelegt, Tommaso das Schätzspiel gewogen, Ruth den ganzen Abend das Buffet betreut, Peter orientalische Cocktails gemischt und Drinko als Mann für alle Notfälle gedient – das alles hat den Abend zu einem Gesamtkunstwerk gemacht. Und das Leben richtig gut sein lassen.
Wie wird das Leben in der neuen Pfarre Lainz-Speising und St. Hubertus sein, die im kommenden Jahr ins Haus steht? Mit Sicherheit auch gut, wenn wir es gemeinsam gut sein lassen. Ein erster Schritt zum Zusammenwachsen: Wir sollen und dürfen einen neuen Namen finden. Ein Name für die gemeinsame Pfarre, der den Spirit beider Gemeinden mitträgt, historisch, geografisch, pastoral. Ein Name, der nicht vom Pfarrer oder dem Pfarrgemeinderat vorgegeben wird, sondern der aus der Gemeinde kommt, von uns allen. Nachdenken ist gefragt, Kreativität, Austausch. Bis Ende Februar können Vorschläge in der Kirche oder der Pfarrkanzlei abgegeben werden. Welcher Name könnte für beides stehen, aus zwei Gemeinden eine gemeinsame machen? Damit sich das Leben darin weiterhin gut anfühlt.
Eva Maria Kaiser