Wärmestube

Liebe Wärmestuben-Freundinnen und Freunde!

Seit zwei Wochen plane ich schon, Euch einen Brief zu schreiben, er will sich aber nicht so recht in die Tasten klopfen lassen.
Unglaublich, wie sich das Leben von einem Tag auf den anderen verändert hat. Dabei hab ich das Gefühl, dass dieser ganze Corona-Wahnsinn, so irreal er sein mag, schon zur Normalität geworden ist. Sollte es tatsächlich einmal möglich gewesen sein, dass man einfach ins Kino gegangen ist, ins Theater, in Ausstellungen, Freunde
getroffen hat, einander umarmt, sich mit Küssen begrüßt? Das scheint unendlich lange her.


Und seltsam auch, wie unsere Wärmestube ist Nichts geglitten ist. Am 6. März hatten wir das letzte Mal geöffnete, dann haben wir uns schweren Herzens zum Aufhören entschlossen, danach haben sich die Ereignisse überschlagen. Aufgrund der Bestimmungen von Regierung und Erzdiözese Wien hätten wir ohnehin nicht weitermachen können. Eine Not-Wärmestube im Freien mit Essensausgabe, wie sie einige Pfarren weiterführen, war für mich und für uns nicht organisierbar.


Es scheint mir auch unendlich lange her, wie euphorisch wir diese Saison begonnen und – bis auf drei Mal - durchgezogen haben. Es sind immer mehr Gäste gekommen, rund ein Drittel mehr als im Vorjahr, dennoch war der Ansturm gut bewältigbar, die Teams wunderbar eingespielt; Heinz Schuster, der an die Stelle von Bernhard getreten ist, den wir schmerzlich vermissen. Die Atmosphäre in unseren Wärmestuben war noch amikaler als im Vorjahr. Das Buffet so appetitlich hergerichtet, die Tische so schön dekoriert, manchmal wurde Gitarre gespielt, oft auch Klavier, von erstaunlich begabten Gästen. Irgendwie elegant, wie wir das alle zusammen immer hinbekommen haben.


Ich denke, mit diesen Bildern können wir die Wärmestube für diesmal ausklingen lassen. Ein Abschlussfest wird es geben, ob noch vor dem Sommer oder erst im Herbst, sozusagen als Auftakt, müssen wir dem Lauf der Ereignisse überlassen. Ich wünsche uns allen, dass wir gut durch diese seltsamen Zeiten kommen, dass wir alle gesund bleiben, die Helfer und die Gäste, dass wir einander froh und dankbar wiedersehen, wenn das alles überstanden ist.

​Wärmestube geschlossen


Corona-Virus:

Wärmestube ab sofort geschlossen



Liebe Freund*innen der Wärmestube,

  • da mittlerweile relativ viel über das Corona-Virus bzgl. Ansteckungsgefahr/Ausbreitung/gefährdete Personen/Schutzmaßnahmen bekannt ist,
  • da die empfohlenen hygienischen Erfordernisse oft nicht umsetzbar sind,
  • da unsere Wärmestube meist „gesteckt“ voll und ein Mindestabstandzwischen den Besuchern kaum möglich ist,
  • da die meisten Helfer*innen zur gefährdeten Personengruppe der 60/70/80 jährigen gehören, manche auch heikle Vorerkrankungen aufweisen und
  • da das teilweise ebenso auf unsere Gäste zutrifft,
halten wir es für notwendig, die Wärmestube ab sofort zu schließen und die Saison
vorzeitig zu beenden.



Das ist natürlich sehr schade, da es einen Unterschied macht, ob man einfach nicht ins
Theater geht oder ob man nicht weiß, wo man bei einer warmen Mahlzeit den Tag
verbringen kann. Aber im Sinne einer allgemeinen Prävention, deren
Notwendigkeit die Bundesregierung nicht müde wird zu betonen und die sich auch
im Blick auf die besorgniserregenden Zustände in Italien ergibt, ist das wohl
nur verantwortungsvoll.



Wir hoffen sehr, dass dieser Ausnahmezustand mit dem Zurückfahren des öffentlichen Lebens
und der sozialen Kontakte in einigen Wochen oder wenigen Monaten beendet werden
kann und dass wir spätestens im Herbst wieder durchstarten können.



Am wichtigsten aber ist, dass niemand zu Schaden kommt!



Eva Maria Kaiser

Aktuelles

Am 3.Jänner 2020 hatten wir in der Wärmestube Besuch von einigen Journalisten. Bitte lesen Sie hier:

https://kurier.at/chronik/wien/obdachlosenhilfe-ei...


Artikel in der kathpress:


​​Das war die Wärmestube 2018/19

Diesen Winter hat sich die Pfarre Lainz-Speising erstmals an der Aktion „Wärmestube“ der Caritas Wien beteiligt. Vier Monate lang, von Dezember bis Ende März, haben wir jeden Freitag für obdachlose und bedürftige Menschen unser Pfarrcafé geöffnet, sie verköstigt und ihnen einen warmen Platz und ein offenes Ohr angeboten. Es war ein umfangreiches Projekt, mit dem wir unser 50-Jahr-Jubiläum „Beton in Bewegung“ weiterziehen und auf Menschen über die Konzilsgedächtniskirche hinaus öffnen wollten. Am Ende dieses Kraftakts können wir auf unzählige gute Momente zurückblicken und ganz froh gestimmt Bilanz ziehen.

Mittlerweile haben wir unsere Statistik ausgewertet, die Zahlen im Detail: Wir hatten an 16 Freitagen geöffnet und konnten insgesamt 868 Personen begrüßen, das sind im Durchschnitt 54 Gäste pro Tag. Zwei Drittel der BesucherInnen waren Österreicher, die anderen kamen aus dem benachbarten Ausland wie Ungarn, Tschechien, Slowakei, Polen und Deutschland. Obwohl praktisch doppelt so viele Menschen kamen, als ursprünglich angenommen, mussten wir nie wegen Überfüllung schließen. Die Gäste wurden am Vormittag mit einem ausführlichen Frühstück, Obst und Gemüse bewirtet, zu Mittag mit einer warmen Mahlzeit und am Nachmittag mit Kaffee und Kuchen.

Das Projekt war nur möglich durch den Einsatz dutzender HelferInnen, die sich wie von selbst gefunden haben. Vier Teams rund um Martha und Karl Kudlicska, Bernhard Mayer, Erna Nussbaumer und Christl Sommergruber haben jeweils einen Freitag im Monat bestritten. Mehrmals haben uns Schülerinnen der HLTW Bergheidengasse und der FAW13 Dominikanerinnen in Ober St. Veit unterstützt. Das Kochen konnten wir in professionelle Hände legen: Die Küchen des Kardinal König Hauses und des DonBosco Hauses, das Restaurant Wambacher und die Profiköche Gerhard Feige und Anna Liebhard haben abwechselnd das Mittagessen geliefert. Die Bäckerei Schwarz hat jede Woche Krapfen und Kuchen gespendet, die Trafik beim Alten Pfarrhof Zeitungen. Christian Haschka hat wöchentlich die unverderblichen Waren eingekauft. Krankenschwester Andrea Hambros hat vier Mal eine Gesundheitsberatung angeboten.

Besonders schön war es, dass das Projekt vom ganzen Dekanat mitgetragen wurde. Helferinnen aus den Pfarren Bossigasse, Namen Jesu und St. Hubertus waren regelmäßig dabei, die Pfarre Ober St. Veit hat den Kontakt zu
Lebensmittelspendern hergestellt, die Pfarre Unter St. Veit einen namhaften Geldbetrag gespendet. Wunderbarerweise haben sich gleich zu Beginn drei Großspenden eingestellt, dank derer das Projekt auf finanziell sicheren Beinen stand.

Das Schönste war aber die Atmosphäre in unserer Wärmestube. Unsere Gäste konnten nicht nur essen und trinken, sondern Zeitung lesen, Gesellschaftsspiele spielen, sich aussprechen oder einfach ihre Ruhe haben. Wir „HelferInnen“ haben vielleicht mehr von ihnen profitiert, als diese selbst. Die Gespräche mit den Menschen, die in großer materieller Bedürftigkeit leben, haben uns Einblick gegeben in eine Lebensrealität, die wir sonst nicht kennen. Und uns geholfen,
unsere Wohlstandssorgen in die richtige Dimension zurecht zu rücken. Bei der Frage nach der Sinnhaftigkeit all unseres Tuns konnten wir uns des Gefühls erfreuen, einmal auf der Seite des weniger Sinnlosen zu stehen.


Eva Maria Kaiser