Frauengebet Fr., 28 Jan. 10:30

Kindermesse So., 30 Jan. 10:00

Wärmestube Fr., 4 Feb. 10:00

Wärmestube Fr., 11 Feb. 10:00

Wärmestube Fr., 18 Feb. 10:00

Wärmestube Fr., 25 Feb. 10:00

Wärmestube Fr., 4 März 10:00

Wärmestube Fr., 11 März 10:00

Wärmestube Fr., 18 März 10:00

Wärmestube Fr., 25 März 10:00

Eine neue Welt

In den vergangenen zwei Jahren gab es Gelegenheit genug, neue Erfahrungen zu machen. Die für mich bedeutendste Erfahrung ist eine ganz einfache, nämlich die Erfahrung leiblicher Zusammengehörigkeit. Ein Virus nimmt seinen Ausgang von einer Stadt in China und verbreitet sich in Windeseile über die ganze Erde. Eine Variante dieses Virus wird in Südafrika festgestellt und ist kurz danach schon in Europa angelangt. Unsere Leiber sind in ein weltweites Kommunikationsnetz eingebunden, ja mehr noch, sie bilden dieses Netz. Bisher war Kommunikation etwas, das sich vom Leiblichen gelöst hatte, weitgehend virtuell stattfand und so ein weltweites Netz bildet. Doch nun wird mit einem Mal deutlich, dass wir leiblich miteinander in Verbindung stehen, dass wir Menschen weltweit einen einzigen Leib bilden.

Der Gedanke des einen Leibes, einer weltweiten Gemeinschaft der Menschen, ist urchristlich. Selbstverständlich ist es der Geist, der die Gemeinschaft der Christinnen und Christen eint. Doch diese Einigung findet im Leib statt, nicht in zunehmender Vergeistigung. Und mehr noch: Wir sind eingebunden in eine noch größere Gemeinschaft, eine Gemeinschaft mit belebter und unbelebter Natur, ja mit dem gesamten Kosmos. Eine andere Krise lässt uns eben diese Erfahrung machen, die jetzt vielberedete Klimakrise.

Lange hat die leibhaftige Gemeinschaft der Getauften ihren Ausdruck in einer christlichen Kultur gefunden. Wer eine barocke Kirche betritt, kann das sehr schön erfahren. Christinnen und Christen waren eingebettet in eine Kultur, die ihrem Glauben auf vielfältige Weise leibhaften Ausdruck verlieh. Die entscheidenden Unterschiede zwischen den verschiedenen Kirchen sind daher auch nicht theologischer, sondern kultureller Natur. Evangelische, Orthodoxe, Katholiken unterscheiden sich wesentlich durch ihre Kultur. Doch diese Unterschiede lösen sich gegenwärtig immer mehr auf.
Wir stehen heute an der Schwelle zur Entdeckung einer neuen Welt. Nicht mehr die gespaltene Welt gegensätzlicher Kulturen, nicht mehr die entzweite Welt einander bekämpfender Nationen, sondern die Welt einer Menschheit, die immer mehr lernt, sich als eine leibliche Gemeinschaft wahrzunehmen und diese Gemeinschaft durch ihre Einbettung in eine gemeinsame Natur zu erkennen. Wir werden lernen müssen, mit den Viren zu leben, in Frieden zu leben, nicht im Krieg. Denn sie gehören zu unserer gemeinsamen Natur.

Wir als Christinnen und Christen können zu der entstehenden Kultur einer großen leiblichen Gemeinschaft Wesentliches beitragen. Denn zu Weihnachten und in jeder Messe feiern wir die Leibwerdung Gottes und seine Gemeinschaft mit uns und der gesamten Schöpfung. Wenn wir in Gestalt des Brotes den Leib des Herrn empfangen, dann gehen wir eine weltweite leibliche Beziehung zu allem Geschaffenen ein. Ach, wäre doch die Wirkung der Kommunion genauso ansteckend wie das Coronavirus!

In diesem Sinn Gottes Segen im Neuen Jahr. Gustav Schörghofer SJ

Radikal Mensch werden

Radikalität ist verdächtig. Radikale seien eine Gefährdung für die Gesellschaft. Sie seien rücksichtslos in der Verfolgung ihrer Ziele. Wer an Radikale denkt, der sieht in Gedanken fliegende Steine und vermummte Gestalten.

Mir geht ein Satz von Reinhold Schneider nicht aus dem Kopf: „Unsere wesentliche Armut ist die an Radikalität, an Menschen, die chemisch reine Elemente sind.“ (Winter in Wien, 138) Reinhold Schneider war alles andere als ein gewaltbereiter Radikalinski. Er hat in seinen 1958 verfassten Notizen sehr hellsichtig Dinge gesehen, die auch heute noch von großer Bedeutung sind.

Um welche Radikalität könnte es sich handeln. Als Christ könnte ich auf die Bergpredigt verweisen, oder auf die im Matthäusevangelium an die Bergpredigt anschließenden Weisungen Jesu. Ich möchte aber auf etwas anderes hinweisen, das meiner Meinung nach leicht übersehen wird. Beim Christentum handelt es sich ja nicht einfach um eine Lehre, eine Botschaft, sondern um eine Fleisch und Blut gewordene Gestalt. „Das Wort ist Fleisch geworden“ heißt es am Beginn des Johannesevangeliums. Das heißt, die wesentliche Voraussetzung für die Wirksamkeit der gesamten Botschaft ist die Bereitschaft, ja der entschiedene Wille, einzugehen in die irdische Gestalt eines Leibes. Und Leib meint nicht bloß den eigenen Körper, sondern den Körper einer Gemeinschaft, eines Volkes, ja der gesamten Menschheit. Leib meint darüber hinaus unsere Erde, den Himmelskörper. Die wesentliche Voraussetzung für das Wirksamwerden der Botschaft Jesu ist also die leidenschaftliche Hingabe an diese irdische Welt im Bemühen um das Wohl der gesamten Welt. Selbstverständlich kann das nur im begrenzten eigenen Umfeld gelebt werden. Aber mir muss klar sein, dass mein eigener Leib in einer dauernden und engen Beziehung steht zu allen anderen Lebewesen dieser Welt, ja zu allem Unbelebten in gleicher Weise.

Wenn ich mein Christentum radikal leben will, muss ich es in meinem Leib leben. Und es muss mir klar sein, dass mein Leib in Kommunikation lebt mit dem Leib der Menschen um mich herum, mit dem Leib eines Volkes, ja mit dem Leib der gesamten Erde. Wann war das besser zu erfahren als gerade in den vergangenen zwei Jahren. Wenn ich meinen Glauben an die Menschwerdung Gottes radikal leben will, kann ich nicht ausweichen in eine geistige Welt des rein Spirituellen. Wenn ich meinen Glauben radikal leben will, kann ich mich auch nicht dem Wagnis des Vertrauens in meine Mitmenschen entziehen. Ich werde darauf vertrauen, dass ihr Tun von einem guten Geist gelenkt wird. Selbstverständlich gibt es auch ein Handeln, das von einem bösen Geist geleitet wird. Um beides zu unterscheiden, gibt es Regeln. Eine ist: An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Achten wir also auf die Früchte.

Ein gesegnetes Fest der Menschwerdung! Gustav Schörghofer SJ

Die Königsdisziplin

„Gschamster Diener“ (soll wohl heißen: gehorsamster Diener) – wann haben Sie das zuletzt gehört. Ich kann mich nicht erinnern. Vielleicht war es in einem Film, aus dem Mund von Hans Moser vielleicht. Doch heute sagt das niemand mehr. Dienen und Gehorsam sind ein bisserl aus der Mode geraten. Das hat vielleicht mit den Erfahrungen des letzten Jahrhunderts zu tun: „Ich habe nur meine Pflicht getan“, „Befehl ist Befehl“ usw. Heute ist selbständiges Denken angesagt. Jeder ist sein eigener Herr, jede ihre eigene Dame. Allerdings: Woher weiß ich, was ich zu tun habe? Das war früher leichter, da ist es einfach angeschafft worden. Der Herr hat angeordnet, der Diener hat gehorcht. Aber heute?

Das Dienen ist keine einfache Disziplin, es ist eine hohe Kunst. Keineswegs kann es nur darauf eingeschränkt werden, empfangene Befehle auszuführen. Die hohe Kunst des Dienens besteht darin, aus einer Einsicht in größere Zusammenhänge wahrzunehmen, was im Moment zum Gelingen des Zusammenlebens, zum Wohl anvertrauter Menschen, zum Besten einer Umgebung, die weit über die Menschen hinausreicht, zu tun ist. Das erfordert Aufmerksamkeit, Fachkenntnisse, Wachheit, die Bereitschaft zum Einsatz der besten eigenen Kräfte. Gehorsam bedeutet in diesem Zusammenhang nicht das unhinterfragte Ausführen von Anweisungen, sondern Achtsamkeit für das Wohl anderer. Das fängt beim Offenhalten von Türen, Überlassen von Sitzplätzen an und findet kein Ende. Denn wer sich auf diese Dynamik einlässt, wird entdecken, dass diese Übung der Achtsamkeit immer weiterführt. In Zeiten totalitärer und diktatorischen politischer Systeme haben nicht wenige Menschen diese Übung mit ihrem Leben bezahlt. „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ haben jene gesagt, die diesen Weg als Glaubende gegangen sind.

Was soll das heißen: „Gott gehorchen“? Gott gibt keine Befehle, er schafft nichts an. Freilich gibt es die Gebote, aber wie sie zu erfüllen sind, was sie in einer gegebenen Situation fordern, bleibt offen. Ich selber muss eine Entscheidung treffen. Gott pfuscht nicht in meine Freiheit hinein. Ganz im Gegenteil schenkt er mir Freiheit, setzt mich ein in die Souveränität meiner einmaligen Person. Ich bin also mein eigener Herr, meine eigene Dame. Es gibt nur ein Gebot: „Liebt einander so, wie ich euch geliebt habe“. Darin sind Gottesliebe und Nächstenliebe zusammengefasst. Und wer Jesus entdeckt, wird in ihm den Diener entdecken. „Der Menschensohn ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen …“ heißt es bei Markus (10, 45) und bei Johannes wird durch die Fußwaschung angedeutet, wie sich Jesus den Jüngern gegenüber verhält.

Es gibt einen Weg zu Gott, der nicht nach oben, sondern nach unten führt. Es ist der Weg Jesu Christi. Auf diesem Weg ist die Achtsamkeit für alles, was lebt und existiert, zu lernen. Auf ihm ist zu lernen, was ich mit meinen persönlichen Fähigkeiten zum Wohl dieser Welt beitragen kann. Es ist der Weg des Dienens, der Königsdisziplin menschlichen Verhaltens.

Gustav Schörghofer SJ

Aus gegebenem Anlass

Sie sind an Alzheimer erkrankt. Oder sterben plötzlich an einem Herzinfarkt. Sie sagen mir, eben erst die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs erhalten zu haben. Bei einem Kind im Mutterleib wird Down-Syndrom festgestellt, bei einem erwachsenen Mann Darmkrebs, bei seiner Frau ein großes bösartiges Geschwür an einer der Nieren. Immer wieder begegnen mir Menschen, die an schrecklichen Krankheiten zu leiden haben oder andere begleiten und pflegen, die unheilbar erkrankt sind, nicht nur alte, sondern auch jüngere. Immer wieder soll ich etwas sagen. Aber was ist zu sagen? Gibt es da etwas zu sagen? Wo ist in all dem ein Sinn? Haben diese Krankheiten, haben diese Tode einen Sinn?

Wenn ich Krankheit und Tod allein, nur für sich nehme, kann ich keinen Sinn entdecken. Plötzlich bist Du tot. Plötzlich überfällt Dich die Krankheit, zwingt Dich nieder, macht aus Dir ein hilfloses Bündel. Aber Krankheit und Tod sind keine isolierbaren Gegebenheiten. Immer ist es ein Mann, eine Frau, ein Kind, die krank sind, die sterben. Und der Mann, die Frau, das Kind, sie sind nicht isoliert, allein auf sich gestellt. Sie leben in Beziehungen, sind für andere wichtig. Die Frage für mich ist nicht, welchen Sinn das Unglück hat, sondern ob ich den anderen im Unglück die Treue halte. Lass ich sie sitzen, verdrücke ich mich? Oder bleibe ich bei ihnen, kümmere ich mich um sie?

Toby ist ein Kind in der Erzählung „Mijito“ von Lucia Berlin. Toby ist entstellt und zittert, er kann nicht reden und wird durch ein Loch im Bauch ernährt. „Natürlich kann wegen Toby eine Ehe zerbrechen oder eine Familie, aber wenn nicht, dann scheint der gegenteilige Effekt einzutreten. Ein solches Kind fördert die tiefsten Gefühle zutage, gute und schlechte, und eine Stärke, eine Würde, die ein Mann und eine Frau sonst nie in sich oder dem anderen entdecken würden.“ (Lucia Berlin, Was ich sonst noch verpasst habe, 157) Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Lucia Berlin recht hat. Ein Kind wie Toby kann bei denen, die es aufnehmen, eine tiefe und immer tiefere Liebe wachrufen. Und darauf kommt es doch an, dass wir lernen zu lieben und immer tiefer zu lieben. Allerdings können Menschen auch an einem Kind wie Toby oder durch Überforderung in der Pflege von Angehörigen zugrunde gehen, erschöpft nicht mehr weiterwissen. Wie können wir einander helfen, die Beziehungen zu jenen Menschen, die auf unsere Hilfe angewiesen sind, so zu leben, dass sie nicht in die Sackgasse der Erschöpfung führen?

Mich fasziniert am christlichen Glauben die Zuwendung Gottes zu einer Menschheit, die dem Verderben von Krankheit, Elend und Tod ausgeliefert ist. Warum macht er das? Aus Liebe. Aus Liebe und immer größerer Liebe kann ich mich anderen zuwenden. Ich brauche aber die Hilfe anderer, dass diese Wendung zu den Notleidenden nicht in den eigenen Zusammenbruch führt. Der Sinn ist ja, in der Liebe zu wachsen. Und damit das geschieht, sind wir aufeinander angewiesen.

Gustav Schörghofer SJ

Eine Übung für das kommende Jahr

Zwei Worte sind mir in diesem Sommer besonders nahe gegangen: Stille und Hingabe. Das hat sich einfach so ergeben in den ruhigen Tagen der Ferien. Ich habe mich immer wieder gefragt, wie es nun nach den eineinhalb Jahren der Pandemie weitergehen wird. Die Krankheit ist nicht hinter uns, und schon werden Corona-Denkmäler in Auftrag gegeben. Aber was hilft uns, einen Weg in die Zukunft einzuschlagen und frei zu werden für das, was die vergangenen Monate uns möglicherweise doch gezeigt haben?

Stille war in diesen Monaten sicher eine Erfahrung, die viele geteilt haben, gemeinsam mit der Erfahrung notwendiger Distanz. Stille entsteht dort, wo Distanz genommen wird, wo ein Abstand eingehalten wird, wo das Andrängen des Lärms unserer Welt einmal abgewehrt werden kann. Oder wo ich diesem ständigen Andrängen nicht abwehrend begegne, sondern all dem Aufdringlichen einfach ausweiche, es an mir vorüberziehen lassen. Stille ist etwas, das ich äußerlich vorfinden kann, in der Natur, in von Menschen gestalteten Räumen. Stille kann ich aber auch in mir selber entdecken. Ich kann mich unter die Ebene des ständig aufwühlend einströmenden Gewirrs von Informationen und Ansprüchen sinken lassen, als würde ich abtauchen in eine ruhige Tiefe und die Zonen des bewegten Wassers über mir lassen. Dort, in dieser Stille, komme ich zu mir, dort nehme ich etwas wahr, das in mir ist, zu mir spricht, sich mir mittteilt. In diesen ruhigen Zonen wird das erkannt, was als „Berufung“ bezeichnet wird, keine aufgenötigte Beschäftigung, kein vom Zwang der Notwendigkeit diktiertes Tun, kein bloßes Reagieren auf anprallende Impulse. Es gibt da noch etwas anderes, eine Stimme tief in mir, ein Gefühl für die Richtigkeit dessen, was zu tun ist. Das kommt aus der Stille.

Hingabe kann auf vielerlei Weise geübt werden, in der Musik, im Gespräch, im Schreiben, im gekonnten und verantwortungsvollen Tun, ja auch im Schweigen und Hören. Immer bedeutet Hingabe, dass ich aus mir herausgehe, dass ich mitteile von dem, was ich habe und bin. Die Hingabe hat daher eine enge Beziehung zur Stille. Sie ist die Antwort auf das, was ich in der Stille wahrnehme.

Die beiden Worte Stille und Hingabe sind mir deswegen so wichtig geworden, weil sie mich hinweisen auf etwas, das uns die Pandemie möglicherweise gelehrt hat oder uns lehren könnte: Distanz ist wichtig, um einen eigenen Freiraum zu bewahren, in dem Stille herrscht, in dem ich zu mir selber komme. Beim Einhalten von Distanz werden wir aber nicht stehen bleiben. Als von einem inneren Ruf getragene Hingabe wird die Distanz in der Wendung zum Nächsten immer wieder überwunden werden.

Wäre das nicht eine schöne Übung für das kommende Jahr? Gustav Schörghofer SJ