Liebe Pfarre,
Alle Jahre hören wir im Evangelium am Ersten Adventsonntag von Katastrophen und schweren kosmischen Erschütterungen. Das passt so gar nicht zur „gefühlten“ heimeligen, punsch- und glühweinseligen (Vor-?) Weihnachtsstimmung.
Weihnachten ist populär, eine weltweite Institution des Privaten und Familiären, der sich kaum jemand entziehen kann. Je hektischer, grausamer und lauter das Leben ist, umso größer wird die Sehnsucht nach – ja was eigentlich? Stille, Besinnung, „heilige Zeit“? Fest, Freude, Feier? Etwas oder jemand?
Unser Gott, unser Glaube, unsere Kirche bieten uns mehr und tragfähigeres als glitzernde Romantik. Im Advent trainieren wir, aufmerksam der Wirklichkeit zu begegnen, die uns umgibt – und der wir entgegengehen: Gott selbst in Person.
Der Advent ist immer spannungsreich durch seine zwei Gesichtspunkte:
Der Herr ist bereits durch sein Menschwerden vor über 2000 Jahren in die Welt gekommen. Das feiern wir zu Weihnachten. Ihn erfahren wir in seinem Wort, in seinen Sakramenten und in der Gemeinschaft der Getauften.
Zugleich erwarten wir sein Wiederkommen am Ende aller Zeit. Dieser Aspekt steht in den Gottesdiensten bis zum 16. Dezember im Vordergrund.
Wir schauen also nicht nur zurück. Erwartungsvoll richten wir uns auch auf die Zukunft aus: die Vollendung unserer unvollkommenen Welt beim zweiten, endgültigen Kommen Jesu.
Keine Zeit im Jahr kennt mehr Bräuche: Adventkalender, Adventkranz, Adventkerzen, Barbarazweige, St. Nikolaus, Wohltaten für Bedürftige, süßes Gebäck und heiße Getränke... Vieles davon wird sinn-los vermarktet, der Unterschied von Advent und Weihnachten verschwindet aus dem Bewusstsein, und am 25. Dezember scheint „alles gelaufen“ und vorbei zu sein.
Nicht darüber jammern sondern selbst (-) bewusst durch den Advent voranschreiten und die Bräuche in Gemeinschaft pflegen!
Auf dem Weg hin zu Weihnachten und weiter durch die Weihnachtszeit können wir unsere Freude am Glauben erneuern. Freude lässt sich nicht mit einem Schalter einschalten. Sie ist eher wie Licht einer Kerze, erst klein, dann wachsend, flackernd irgendwann und strahlend. Im Advent kann Freude wachsen. Wenn sie es aber nicht tut, zwingen wir weder andere noch uns selbst zu „Weihnachtsfreude auf Knopfdruck“.
Auch wenn wir Freude nicht einfach machen können, so können wir uns doch für Freude entscheiden: Ob wir unseren Frustrationen nachhängen, uns in sie vergraben, oder ob wir uns öffnen wollen.
Mitten in der Nacht ist der Heiland geboren, der meine Wunden heilt, der Messias, der mich aus Enge ins Weite, in Freiheit führt, und der Herr, der milde herrschen möchte, damit ich nicht beherrscht werde von Erwartungen der anderen – und auch nicht von eigenen Bedürfnissen.
Diese Erfahrungen wünscht Ihnen Ihr Pfarrvikar
Bernhard Kollmann
zum Downloaden: Mitteilungsblatt Dezember 2025

