Mitteilungsblatt November 2025

​Liebe Pfarrgemeinde!


Seit dem 14. September, das ist noch gar nicht so lange her, bin ich Kaplan in der Pfarre am Lainzerbach. Für meine Priesterweihe, die auch noch nicht lange her ist und Anfang September stattgefunden hat, habe ich mir einen Vers aus dem Neuen Testament als Leitwort ausgesucht:
«Jesus Christus ist der Herr, zur Ehre Gottes, des Vaters» (Philipperbrief 2,11).
Es ist der letzte Vers des «Philipperhymnus» (Phil 2,5–11), der die Entäußerung und Verherrlichung Christi feiert. Im November bildet das Christkönigsfest den Abschluss des Kirchenjahres. Es ist ein guter Anlass, um darüber nachzudenken, was es eigentlich heißen könnte, dass Christus „Herr“ und „König“ ist.
Der erste Teil des Hymnus beschreibt vordergründig eine absteigende Bewegung: Christus war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern wurde Mensch und wie ein Sklave. Das Überraschende ist aber: Diese Erniedrigung Gottes in Christus wird nicht als Scheitern oder Schwäche dargestellt, sondern als Grund seiner Verherrlichung. Christus ist Herr und Gott – nicht obwohl, sondern weil er sich zum Geringsten unter den Menschen gemacht hat.
Gerade darin erfahren wir etwas über Gott. Er ist nicht der ferne, unnahbare Herrscher, der sich gelegentlich zu uns herablässt, sondern einer, der immer schon mit uns ist. Seine Größe zeigt sich in seiner Nähe, seine Herrlichkeit in seiner Hingabe. Wenn wir sagen: „Christus ist der Herr“, dann sprechen wir von einem Herr-Sein, das in Liebe und Hingabe besteht. Wenn wir Christus «König» nennen, dann meinen wir ein paradoxes Königtum, das unsere weltlichen Vorstellungen davon, was Herrschaft bedeutet, bekehren und ins richtige Verhältnis rücken kann.
Paulus, der Autor des Philipperbriefs, stellt diesen Hymnus in einen konkreten Zusammenhang, nämlich das Zusammenleben in der christlichen Gemeinde: „Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht.“ (Phil 2,5) Es geht also nicht nur darum, wer Christus ist und wie Gott ist, sondern auch darum, wozu wir als Christen berufen sind. Allerheiligen, das andere große Fest im November, rückt die Menschen in den Fokus, die diese Orientierung in ihrem Leben wirklich werden gelassen haben und die Christus, dem König am Kreuz, nachgefolgt sind.
Ihr P. Manfred Grimm SJ